Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinen Gott.

Verfasst von Heiko Kuschel am 30. März 2009 - 10:54
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Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinen Gott. Ein erfülltes Leben braucht keinen Glauben.

Mit diesem Slogan sollen - nach England, Spanien und anderen Ländern - nun auch in Deutschland Busse fahren. Die Verkehrsbetriebe aber wollen nicht. Schade eigentlich - ich glaube, die öffentliche Diskussion täte auch uns gut.

Ja, natürlich gibt es in Deutschland Menschen, die nicht an Gott glauben. Und sehr viele, die zweifeln. Und auf der anderen Seite gibt es Menschen, die an Gott glauben - und damit ihre Probleme haben. Die sich nicht erklären können, warum Gott an der einen oder anderen Stelle nicht eingreift. Die mit ihrem Schicksal hadern. Die mit bestimmten religiösen Aussagen und Dogmen nicht klarkommen. 

Die Buskampagne richtet sich, so habe ich es verstanden, vor allem auch gegen ein Religionsverständnis, dass die Menschen einengt. Das ihnen Angst macht. Gegen eine Religion, die die Menschen niederdrückt, statt sie zu befreien. Für ein Leben in Freiheit und Verantwortung für das, was wir tun und für die Welt, in der wir leben. Insofern ist die Buskampagne eigentlich gut christlich: Jesus ist gekommen, um uns frei zu machen. Um uns stark zu machen. Um uns die frohe Botschaft zu verkünden: Gott ist kein Gott der Strafe. Keiner, vor dem ihr Angst zu haben braucht. Keiner, der euch klein machen will. Ganz im Gegenteil. Er will euch aufrichten, stärken, kräftigen, gründen. (1. Petrusbrief 5, 10)
"Ein erfülltes Leben braucht keinen Glauben": Das ist einer der Sprüche, die auf die Werbebanner gedruckt werden sollen. An der Stelle möchte ich dann doch widersprechen: Ein erfülltes Leben braucht Halt. Braucht Hoffnung, Zuversicht und eine Richtung. Mag sein, dass viele das auch ohne Gott finden - ich habe es als Pfarrer oft genug erlebt,  wie der Glaube Menschen gestärkt hat.

Noch einem anderen Spruch muss ich widersprechen: "Aufklärung heißt, Verantwortung zu übernehmen". Natürlich stimmt das - aber auch Glauben bedeutet, Verantwortung zu übernehmen. Glauben heißt ja nicht: Ich lege die Hände in den Schoß und nun mach mal, Gott. Sondern Glauben heißt: Mit offenen Augen und Händen durchs Leben zu gehen. Für andere da zu sein und für sie einzustehen. Eben: Verantwortung zu übernehmen. Das tun die Kirchen schon immer - ob mit Armenspeisungen im Mittelalter oder heute mit Diakonie, Brot für die Welt, Caritas oder auf Gemeindeebene bei unzähligen Besuchen, Gesprächen und Begegnungen. 

Auch, wenn die Buswerbung eventuell von den Verkehrsbetrieben abgelehnt werden sollte: Die Diskussion verspricht spannend zu werden. Ich freue mich, wenn wir da ins Gespräch kommen.  Genau dafür soll die Citykirche einen Ort bieten.

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15 Kommentare

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Toleranz

Verfasst von Paula Schultz am 26. April 2009 - 12:35.

Ausgelassen wurde, dass das Ziel der Kampagne Toleranz gegenüber Andersdenkenden ist. Warum ist Werbung auf Bussen und S-Bahnen für Gott und Jesus erlaubt und mit welcher Begründung könnte der vernünftige Zweifel daran verboten werden?

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Worum geht es der Kampagne?

Verfasst von Heiko Kuschel am 26. April 2009 - 18:46.

Liebe Frau Schultz,

vielen Dank für Ihren Kommentar.

Toleranz ist für mich eine so große Selbstverständlichkeit, dass sie eigentlich nicht einmal mehr erwähnt werden müsste - wenn denn alle Menschen so denken würde. Toleranz zeigt sich meines Erachtens auch darin, dass ich auf einer kirchlichen Website die Buskampagne nicht nur erwähne, sondern indirekt sogar Werbung dafür mache und sie verlinke.

Aus der Selbstbeschreibung der Buskampagne konnte ich Toleranz aber nicht als eines der Hauptziele herauslesen. Wohl gemerkt: Ich meine damit nicht, die Buskampagne sei intolerant oder rufe gar zu Intoleranz auf. Ich meine nur: Sie wird nur am Rande erwähnt. Ich zitiere von der Startseite der Buskampagne:

Buskampagne.de will die britische Atheist Bus Campaign nach Deutschland bringen. Auch hierzulande haben säkulare Menschen genug davon, absichtsvoll „übersehen“ oder moralisch diskreditiert zu werden. Als Anfang sollen in drei Städten (Berlin, Köln und München) Busse beschriftet werden, die öffentlich bekunden, dass eine nicht-religiöse, aufgeklärte Weltsicht eine positive Möglichkeit darstellt. Nicht-Religiöse, Agnostiker und Atheisten sollen wahrnehmen können, dass sie nicht alleine sind. Sie sollen mutiger werden, sich gegen religiösen Hochmut zur Wehr zu setzen und sich in die öffentlichen Debatten einzumischen. Das Leben ohne einen Gott kann eine Bereicherung sein: angstfrei, selbstbestimmt, bewusst, tolerant und frei von Diskriminierungen.

Darin erkenne ich folgende Ziele:

  • säkulare Menschen in ihrem Selbstbewusstsein und ihrer Selbstwahrnehmung stärken
  • Mut machen, sich gegen religiösen Hochmut zur Wehr zu setzen
  • Menschen zu einem angstfreien Leben ermutigen

Die Sache mit der Toleranz ist da wirklich nur am Rande erwähnt.

Für mich liegt das Problem an einer ganz anderen Stelle. Nämlich in der Wahrnehmung von Kirche als machthungrig, unterdrückend und intolerant. Leider gibt es ja in unserer großen Kirche immer noch ein paar Ewiggestrige, die durch ihre Äußerungen und teilweise auch durch ihre Taten ständig in die Schlagzeilen geraten. Das prägt natürlich die öffentliche Meinung. Ich bin mir ziemlich sicher:  Die große Mehrheit der heutigen Christen denkt nicht so. Ganz im Gegenteil. Die Bücher der Bibel, die von Jesus und seinem Leben erzählen, werden "Evangelium" genannt, das heißt auf Deutsch: frohe Botschaft. Mit fast den gleichen Worten beschreibt die Buskampagne ihr weiteres Vorgehen: "... liegt der Fokus weiterhin auf unserer fröhlichen Botschaft, mit der wir bald in einen dogmenfreien Frühling starten werden." Fröhlich und dogmenfrei, na da bin ich doch sofort dabei!

Ich glaube nicht, dass unser Gott angstvolle, niedergedrückte Menschen sehen möchte. Er möchte genau solche Menschen sehen, wie sie die Buskampagne beschreibt: angstfrei, selbstbestimmt, bewusst, tolerant und frei von Diskriminierungen. 

In unseren Zielen sind wir uns sehr ähnlich. Nur in einem unterscheiden wir uns: Ich glaube an Gott, Sie (vermutlich) nicht. Das ist Ihre eigene Entscheidung. Ich freue mich auf tolerante und offene Diskussionen, vielleicht auch hier auf dieser Website. Schade, dass die Verkehrsunternehmen sich alle nicht trauen...

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Besser: "There’s probably no God"

Verfasst von Paula Schultz am 27. April 2009 - 2:01.

Lieber Herr Pfarrer Kuschel,

ich bin sehr erfreut, dass Sie so offen mit dem Thema umgehen. Insbesondere dessen weil Sie ein Mann Gottes bzw. der Kirche sind.

Zum Thema Toleranz gebe ich Ihnen recht. Das sollte eine Selbstverständlichkeit für jede aufgeklärte Gesellschaft sein. Die meisten Christen haben eine sehr große Toleranz gegenüber Andersdenkenden. Toleranz ist zweifellos einer der christlichen Werte. Aber er gebührt nicht allein dem Christentum.

Ich finde Ihre Toleranz und Ihren Verweis auf die Website bewundernswert.
Dürfen Sie sich mit Menschen, "[...] die nicht bekennen dass Jesus Christus [...] gekommen ist [...]* überhaupt befassen?
Ich glaube nicht, dass das was mit Aufklärung zu tun hat.

Die Aussage lautet:

"Es gibt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen Gott [...]"

Ich selbst würde nicht so weit gehen, da es weder Beweise für, noch gegen Gott oder Götter gibt.

Die englische Beschriftung der Busse gefiele mir besser:

"There's probably no God. [...]"

Das zeigt einfach die Möglichkeit auf, dass es vielleicht keinen gibt. Diese Annahme ist im Sinne der Aufklärung vernünftig. Glaube hat aber mit Vernunft nichts zu tun. Das abwägen ob man in bestimmten Dingen vernünftig ist oder gläubig muss jeder mit sich selbst ausmachen. In den meisten Fällen gehöre ich wohl eher zu den Gläubigen als zu den Vernünftigen. Beim Glauben geht das geht ganz ohne Gott. Man kann an seinen Mitmenschen glauben, an eine Theorie, an sich selbst, an das Grundgesetz, etc.

Vernunft ist meist langwieriger und komplizierter anzuwenden und bedarf wissenschaftlicher Methodik.

Aber zurück zum Thema: Wenn die Busse mit der sehr provozierenden "deutschen" Beschriftung beklebt werden, dann könnte es passieren, dass viele Menschen, die an Gott (oder vielleicht sogar Götter) glauben in eine extreme Defensivhaltung gehen. Das ist nicht unbedingt Vorteilhaft wenn sie für sich frei denken sollen.

Ihr Glaube an einen liebenden Gott ist zweifellos schöner und regt zu positivem Denken an. Wenn ich aber so an das Alte Testament denke, dann kann Gott aber auch ganz anders...
Vielleicht trauen sich die Verkehrsbetriebe deswegen nicht...

Nein, Spaß bei Seite: Die Verkehrsbetriebe werden das in Stuttgart erst zulassen wenn eine Klage wegen Gleichbehandlung erfolgreich ist. Die Lobby der Kirche ist stark. Und jeder Mensch, der von seinen Mitmenschen annimmt, dass sie nicht so fest im Glauben seienm wie er selbst ist, wird sich dafür einsetzen diese Kampagne zu verhindern.

*) 2. Johannes, Warnung vor Irrlehren, Vers 7
Quelle: www.die-bibel.de/online-bibeln/luther-bibel-1984/lesen-im-bibeltext/bibelstelle/2.joh/cache/fbd8ca1141/

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Reden, Diskutieren und vielleicht Überzeugen

Verfasst von Heiko Kuschel am 2. Mai 2009 - 11:19.

Liebe Frau Schultz,

danke für Ihre ausführliche Antwort. Es tut mir Leid, dass ich erst heute dazu komme, Ihnen zu antworten.

Natürlich darf ich mich mit Menschen befassen, die nicht an Jesus glauben. Das ist sogar eine sehr wichtige Aufgabe. Ich möchte dabei nicht nach der Holzhammermethode "missionieren", sondern mit anderen ins Gespräch kommen, sie zum Nachdenken anregen, auch selbst zum Nachdenken angeregt werden, so wie hier durch unsere kleine Diskussion.

Ja, die englische Version ist in der Tat besser. Viele ernsthafte Christen, mit denen ich gesprochen habe, befürchten, dass Leute, die nicht so fest im Glauben stehen, durch diese sehr provozierende deutsche Beschriftung tatsächlich stark verunsichert werden. Das kann die Diskussion negativ beeinflussen und, wie Sie ja auch schreiben, das freie Denken beeinträchtigen.

Tja, natürlich stehen im Alten Testament auch Dinge über Gott, die nicht so zu unserem "liebenden Gott" passen. Deshalb haben wir ja auch ein Neues. ;-) Ja, ganz ernst: Das Alte Testament ist zwar unsere christliche Wurzel, die wir mit dem Judentum gemeinsam haben. Aber nicht alles, was in diesem Alten Testament steht, ist tatsächlich für uns noch aktuell und relevant. Wir glauben, dass Gott sich uns in Jesus Christus letztgültig gezeigt hat. Und da hat er sich als einer gezeigt, der den Menschen geradezu radikal liebevoll zugewandt ist.

Was die Verkehrsbetriebe machen, kann die Kirche natürlich letztlich nicht beeinflussen, außer durch "vorauseilenden Gehorsam", da heißt, dass die Leute dort denken, sie kriegen dann Ärger mit der Kirche. Ob das so stimmt? Ich weiß es nicht. Kirche ist natürlich ein Machtfaktor, weil sie viele Menschen vertritt. Auch die CDU oder die SPD ist ein Machtfaktor, oder die Gewerkschaften. Ich weiß, dass Kirche manchmal, vor allem in der Vergangenheit, auch ganz schön machthungrig war und vieles falsch gemacht hat. Ich versuche, es heute besser zu machen und lieber mit Überzeugunskraft zu arbeiten.

 

Machtgeilheit der Kirchen

Verfasst von Colmar Bendel (nicht überprüft) am 17. Februar 2013 - 23:52.

Lieber Herr Kuschel,

Ihre Wortwahl: "brutal liebevoll" sagt einiges aus.

Machthungrig waren die Kirchen nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch in der Gegenwart und so darf man annehmen auch in der Zukunft.

Um diesen Preis mußten schon einige Päpste sterben und die kirchliche Ambrosiusbank bankrott gehen usw. usw..

Die evangelische Kirche provitiert in ihrem Windschatten dadurch.

Toleranz und Christentum

Verfasst von Colmar Bendel (nicht überprüft) am 17. Februar 2013 - 20:01.

Liebe Frau Schulz,

Toleranz und Christentum schließen sich aus wie Wissenschaft und Glaube. Die Geschichte des Christentums  beweist dieses. Bei Minderheit predigen sie Toleranz, bei Mehrheit gegen sie und rufen zum Pogrom auf. 

Von der christlichen Toleranz habe ich selbst (damals kath.) während meiner Schul und Jugendzeit genug erfahren, mir reichts!!!!  Stichworte: Pädophielismus, Sadismus, Gängelung und Verachtung durch unseren Stadtpfarrer X in Friedrichshafen. Meine Mutter war Protestantin und laut Stadtpfarrer X, Angehörige einer Sekte die nicht in den Himmel kommt usw. usw..

Wenn jemand behauptet die Christen sind tolerant, dann frage ich mich warum die Christen um zu missionieren mehr Menschen umgebracht haben als alle anderen Religionen zusammen? Dabei war ihnen jedes Mittel Recht Hauptsache effektiv und hat diesen Sadisten Spass gemacht: Mit Schwert, Messer, Feuer, Wasser, Erde, Maschienengewehre, Gifgas, Bomben Kreissägen Vater vor den Augen ihrer Kinder zerteilt, Kinder vor den Augen ihrer Eltern zersägt, den Frauen den Bauch aufschlitzen und so eine Scnellgeburt herbeigeführt, Genitalien abgeschnitten und in den Mund gesteckt, usw. usw.. In diesem Zusammenhang erinnere ich an den Gottesstaat Kroatien unter dem Führer Antje Pavelic und dem Bischof Stephinak (dessen Heiligsprechung eingeleitet ist) in den 1940er Jahren. Helvetius wusste es schon: Wenn man ihre Heiligenlegenden ließt, dann sieht man 1000 heiliggesprochene Verbrecher. Karl-Heinz Deschner (der wohl profundeste Kirchengeschichtskenner) meint dazu: "eine kulante Untertreibung."

Was die Existenz Gottes betrifft, so ist es wissenschaftlicher Brauch, dass wenn jemand etwas behauptet, es nachweisen, oder durch ein Experiment bestätigen muß. Solange das nicht passiert und es wird nie geschehen bleibt es für mich dabei, ES GIBT KEINEN GOTT.

edit 18.2.2013 08:06: Namensnennung des Stadtpfarrers aus rechtlichen Gründen gelöscht. Heiko Kuschel 

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lange Antwort auf viele Vorwürfe

Verfasst von Heiko Kuschel am 18. Februar 2013 - 10:51.

Lieber Herr Brendel,

zunächst bitte ich Sie um Verständnis, dass ich die Namensnennung des Stadtpfarrers gelöscht habe, da ich die Vorwürfe von hier aus nicht nachvollziehen, aber aus rechtlichen Gründen auch nicht einfach so stehen lassen kann. Soweit ich über Google feststellen konnte, handelt es sich um einen Pfarrer, der bereits im vorletzten Jahrhundert geboren wurde und in den 1950er Jahren gestorben ist.

Keine Frage: Christen haben in der Vergangenheit vieles falsch gemacht, im Großen – auch wenn Ihre Beispiele mir teilweise doch sehr überzogen vorkommen – und im Kleinen. Auch meine eigene Urgroßmutter konnte den Vater ihres Kindes nicht heiraten, weil sie evangelisch war – die Folgen dieser Entscheidung eines katholischen Priesters vor langer Zeit haben Auswirkungen auf unsere Familie bis heute.

Das, was jener Stadtpfarrer Ihnen und Ihrer Mutter da an den Kopf geworfen hat und was Sie sonst noch erleben mussten, bedauere ich zutiefst. Diese Geschichte der Kirche, wie gesagt: im Großen wie im Kleinen, können wir nicht einfach abstreifen, und das will ich auch gar nicht. Wir können nur versuchen, es heute besser zu machen. Natürlich ist Kirche zu jeder Zeit eine Kirche von Menschen, die auch Fehler machen. Ich sehe heute jedenfalls ein viel größeres Bemühen um die Menschen und ihre Bedürfnisse – was nicht ausschließt, dass es, wie in jedem Beruf, auch ziemliche Idioten gibt (ohne jetzt Namen nennen zu wollen ...)

Gerade wir Deutschen kennen das ja auch in einem anderen Zusammenhang. Auch das deutsche Volk hat unendliches Leid über die Welt gebracht. Trotzdem gebe ich meinen deutschen Pass nicht ab, sondern sehe es als meine Aufgabe an, für eine gerechte, freie und offene Gesellschaft einzutreten. Als vor einigen Jahren Neonazis durch Schweinfurt ziehen wollten, entstand ein breites Bündnis „Schweinfurt ist bunt“, gemeinsam getragen unter anderem von Gewerkschaften und Kirchen. Als Christ, der die Kirchengeschichte nicht leugnen will, und als Deutscher bin ich hier doppelt gefordert.

Dass Ante Pavelic ein Faschist wie Hitler war, steht ja außer Frage. Dass die großen Kirchen in dieser Zeit nicht entschieden genug gegen die faschistischen Herrscher stritten und sogar mit ihnen kooperiert haben, auch. Bei Bischof Stepinac kenne ich mich nicht so aus; Wikipedia zumindest berichtet davon, dass er eher sehr kritisch gegenüber dem Regime stand, wenn er vielleicht in seiner Kritik auch deutlicher hätte sein können. Dass seine Aufnahme in die Liste der „Gerechten unter den Völkern“ zumindest ernsthaft diskutiert wurde, deutet für mich darauf hin, dass er mit Pavelic nicht wirklich gemeinsame Sache machte.

Zum Thema Wissenschaft: Da Sie sich ja auf die Wissenschaft berufen, wissen Sie sicher auch, dass es wissenschaftlicher Brauch ist, eine These nicht als Fakt hinzustellen, solange es eine Gegenthese gibt, die ihr widerspricht. Zu dieser Gegenthese empfehle ich Ihnen die Publikationen von Wolfhart Pannenberg oder generell ein wenig Lektüre zu „Wissenschaftstheorie der Theologie“. Zum Einstieg tut's auch der entsprechende Wikipedia-Artikel. 

Ich vermute mal, dass Sie ein Bild vom Glauben haben als einer Haltung, die alles „von oben“ annimmt, die die Schöpfungsgeschichten über die Evolutionslehre stellt, an diverse Dogmen glaubt usw. Nun: So ist Glaube heute schon lange nicht mehr, zumindest zu einem großen Teil. Ein solcher Glaube wäre mit Wissenschaft tatsächlich nur schwer vereinbar.

Sehr unwissenschaftlich ist dagegen Ihr Kommentar „Machtgeilheit der Kirchen“, in dem Sie völlig unbewiesene Behauptungen aufstellen und mich auch noch sinnentstellend zitieren. Nie würde ich sagen „brutal liebevoll“. Da steht: „Radikal liebevoll“. Das heißt wörtlich übersetzt: Von der Wurzel her. Im ganzen Wesen, ohne Ausnahme und mit aller Konsequenz liebevoll.

Nachdem Sie ja wirklich einen Rundumschlag durch alle Themen gemacht haben (ich nehme sehr stark an, dass der Kommentar von „Gast“ vom 17.2. 12:13 auch von Ihnen stammt), hier noch kurz was zu christlichen Schulen:

Unser Staat hat das so genannte Subsidiaritätsprinzip: Wo etwas vor Ort gelöst werden kann, hält sich der Staat raus. Das gilt auch für Schulen, Kindergärten usw. In meinem Heimatort sind zwei Kindergärten von den beiden großen Kirchen, der dritte von der Arbeiterwohlfahrt, die exakt die gleichen Zuschüsse bekommt – und das Risiko eines Defizits genau so tragen muss. Auch meinetwegen der Giordano-Bruno-Stiftung steht es ja völlig frei, Kindergärten und Schulen zu eröffnen. Dass hier immer darüber geschimpft wird, Kirchen würden staatliches Geld in Anspruch nehmen, verstehe ich nicht. Sie übernehmen eine vom Staat gewünschte Aufgabe, die auch andere übernehmen könnten, es aber relativ selten tun.

Noch ganz kurz zur Kirchensteuer: Klar geht es auch anders. Der Staat wird sich hüten, es anders zu regeln, denn er verdient an dieser Dienstleistung nicht schlecht.

Viele Grüße

Heiko Kuschel

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Wo bleibt die Meinungsfreiheit?

Verfasst von Heiko Kuschel am 15. Mai 2009 - 21:29.

MeinungsfreiheitMeinungsfreiheitSehr interessant finde ich den Beitrag von www.godnews.de - Einfach mal hier klicken: http://godnews.de/godnews-meinungsfreiheit.html

Godnews fordert Christen auf, sich für die Buskampagne einzusetzen. Ist tatsächlich eine Überlegung wert - oder doch nicht? Was meinen Sie dazu?

Ich setze diesen Blogeintrag nochmal auf die Startseite, damit er von mehr Besuchern gesehen wird. Was ist Ihre Meinung dazu? 

Kompliment

Verfasst von Gast am 29. Juni 2009 - 18:03.

Ich selbst bin Atheistin aus Überzeugung und war sehr positiv überrascht, als ich auf Ihre Website gestoßen bin.

Meiner Ansicht nach können wir alle im Endeffekt nur Vemutungen anstellen. Wissen kann niemand, was die Wahrheit ist, denn zum Wissen gehören Beweise.

Ich für meinen Teil habe beschlossen, mein Leben so auszurichten, wie es sich nach meinerseitigem Abwägen verschiedener Tatsachen gegeneinander für mich und meine Umwelt am gewinnbringendsten gestaltet (und ich meine damit nicht den materiellen Gewinn).

Warum sollen andere nicht ihre eigene "Methode" finden? Und wieso sollte man sich ständig gegenseitig angreifen, anstatt einander nach dem Motto zu akteptieren: Wissen kann kein Mensch, und jeder kann glauben, was er möchte.

So lange keine aggressive Missionierung stattfindet und Leuten die Möglichkeit gelassen wird, sich selbst zu informieren und sich eine Sache anzusehen, wenn sie selbst wollen, sollte meiner Ansicht nach jede Form von "Werbung" für Glaube oder Weltanschauung frei in der Ausführung sein, natürlich auch die atheistische.

Wenn sehr viele Leute Ihrem Beispiel der Toleranz folgen würden, wäre die Welt ein Stück friedlicher.

Da ist bestimmt ein Gott, also sorg dich nicht!

Verfasst von admin am 12. Oktober 2009 - 23:52.

Schöner Artikel, gewissermaßen ein Update, auf jesus.de - ein lesenswerter Artikel zum Umgang mit der Atheisten-Aktion in der Schweiz. Ich denke auch, dass wir, statt nur zu jammern, kreativ und humorvoll reagieren können. Eben kontern. :-)

http://www.jesus.de/freunde/mitgliederprofil/blog.html?blogDetail=657 

Slogan

Verfasst von Gast (nicht überprüft) am 7. Januar 2010 - 20:51.

Das Problem ist eigentlich sehr einfach zu erkennen, finde ich.
Der Slogan ist schlicht und ergreifend zu dumm gewählt und zu provokant um eine ordentliche Diskussion herbeizuführen.
Ich stimme also Paula sehr zu.
Es ist schlicht und ergreifend sehr sehr dämlich (Ich untertreibe)den Satz:

"Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinen Gott"

mit Ernsthaftigkeit vetreten zu wollen, da die Chancen darauf die Nichtexistenz sowie die Existenz Gottes zu beweisen MIT AN SICHERHEIT GRENZENDER WARSCHEINLICHKEIT bzw. mit 100% Warscheinlichkeit (immer und in allen zeiten) bei genau 0,000000000000000000 % liegt.

Genau aus diesem Grund würden viele gläubige Menschen nur verärgert auf diese Aussage reagieren, und das Ziel des Slogans wäre und ist komplett verfehlt.

Psychologisch gesehen, ist das wohl einer der dümmsten Sätze die ich je gehört habe.

Schade eigentlich, da ich finde, dass man sich doch mit diesem Thema befassen sollte, und die Atheisten sich diesmal selber versenkt haben.

Freundliche Grüße an alle Poster

Toleranz ja aber bitte auch unseren Kindern gegenüber

Verfasst von Gast (nicht überprüft) am 20. Januar 2010 - 1:22.

Klingt alles sooooooo schön mit der Toleranz. Ich möchte aber bitten, daß das dann auch so gelebt wird. Ich habe noch nie versucht jemanden von meiner atheistischen Grundhaltung zu überzeugen. Wenn jemand Spaß hat an Gott zu glauben und ihm das beim Leben hilft soll er das gern machen - stört mich nicht. ABER: Wenn meine Kinder keine Wahlfreiheit haben und in der Schule (wenn auch spielerisch) die Bibel gepredigt bekommen hört bei mir der Spaß auf. Die Kinder bekommen von uns gesagt was gut und richtig ist. Sie haben keine Chance selbst zu wählen. Und das Argument, daß Religionsunterricht abgewählt werden kann ist leider auch unrealistisch. An unserer Schule müßten die Kinder dann nämlich in einem anderen Klassenverband die Zeit abwarten bis der Religionsunterricht vorbei ist - Für mich klare Diskriminierung. Ich möchte alle Gläubigen bitten unsere Kinder in Ruhe zu lassen.

Zwangschristianisierung an unseren Kindergärten u. Schulen.

Verfasst von Gast (nicht überprüft) am 17. Februar 2013 - 13:13.

Dem Artikel Toleranz ja bitte auch unseren Kindern gegenüber kann ich uneingeschränkt zustimmen. Ergänzen möchte ich, dass an unseren Schulen kein Religionsunterricht was zu suchen hat.Religionsunterricht so wie er an unseren Schulen praktizirt wird, darf nur privat und ausserhalb der Schule stattfinden. Was geboten ist, ist dass die verschiedenen Religionen und ihr Glaubensinhalt als Lehrfach eingeführt wird. So kann jedes Kind NACH der Schulzeit entscheiden ob und welcher Religion es angehöhren will. Die Säuglingstaufe (Grundgesetzwidrig, es darf keine kulturelle Handlung an einem Menschen ohne seinen Willen durchgeführt werden und das Grundgesetz steht auch Säuglingen zu.) muß verboten werden. Ebenso müssen die konfisionellen Schulen die wir Atheisten ja mitfinanzieren und zu 100% von uns allen finanziert wird abgeschafft werden. Aber ich weiß, dass dieses nicht so einfach ist, denn noch gilt das Reichskonkordat das am 30. Juli 1933 mit den Nazis geschlossen wurde. In diesem Konkordat ist das alles geregelt 3/4 was der Staat für Verpflichtungen gegenüber der Kirche hat. So schließt man Verträge. So das Goethe schon sagte: "Sind Konkordat und Kirchenplan nicht glücklich ausgeführt? ja fang mit Rom nur einmal an, dann bist du angeführt. Somit macht auch der Staat das Inkasso der Kirchensteuer. (Grundgesetzwidrig Staat und Kirche sind getrennt steht im Grundgesetz). Übrigens ist dieses Konkordat der EINZIGE aussenpolitische Vertrag der die Nazizeit überstanden hat. Toleranz von den Kirchen Christen bzw. Glaubensgemeinschaften erwarten? Welche Utopie! zieht sich doch eine Blutspur getränkt mit dem Blut der Andersglaubigen durch die ganze Welt. Wer glaubt, dass dieses metzgen mit dem Mittelalter aufgehöhrt hat, irrt sich gewaltig. Ich erinnere an die, in den Jahren 1942-1945 ca.750 000 auf das grauslichste ermordeten Serben in Kroatien unter Pavelic und Kardinal Stephinak dessen Heiligsprechung eingeleutet ist.

+1

Verfasst von MagetasiaSilt (nicht überprüft) am 15. August 2011 - 10:12.

+1

dritter Widerspruch - contra Diskriminierung

Verfasst von Gast (nicht überprüft) am 6. Mai 2012 - 18:14.

Liebe Leser, sehr geehrter Pfarrer Kuschel,

Zitat aus der og. Kampagne:  "Frömmigkeit wider besseres Wissen ...empfinden wir ... Nichtgläubige als rückschrittlich, anmaßend und gefährlich".

Nachdem sich "Atheisten" (Nichtgläubige trifft m. E. den Sachverhalt nicht) sich als diejemigen begreifen (vgl. links zu den homepages), die (?Alleinstellungsmerkmal? im Gegensatz zu Gläubigen) ihren Verstand einsetzen, fühlen "Atheisten" sich vielleicht bald im Recht, die "Gläubigen" in ihre Schranken zu verweisen.  Der Ton aus den atheistischen homepages lässt mich da nichts Gutes ahnen. Das trifft auch auf den Unterton der genannten Kampagne zu.

 

M.E. - darauf hätten Sie, Pfr. Kuschel, hinweisen sollen - gibt es jede Menge Christen, die Ihren Verstand sachgerecht einsetzen. Und niemand hat die Wahrheit/LogikWissenschaft für sich gepachtet, um es volkstümlich zu sagen. und niemand  (auch wenn er sich noch so gebildet fühlt) hat das Recht, den Glauben anderer lächerlich zu machen. Lächerlich machen ist der erste Schritt, um jemand anzugreifen. Und lächerlich machen ist keine Basis, um einen Dialog zu  führen, der eine friedliche Zukunft anstrebt. Die Untaten, die im Namen der Wissenschaft geschehen sind, haben der Wissenschaft ihre Unschuld genommen.

 

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