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Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinen Gott.


vonHeiko Kuschel - geschrieben am30 März 2009

Bild von Heiko Kuschel

Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinen Gott. Ein erfülltes Leben braucht keinen Glauben.

Mit diesem Slogan sollen - nach England, Spanien und anderen Ländern - nun auch in Deutschland Busse fahren. Die Verkehrsbetriebe aber wollen nicht. Schade eigentlich - ich glaube, die öffentliche Diskussion täte auch uns gut.

Ja, natürlich gibt es in Deutschland Menschen, die nicht an Gott glauben. Und sehr viele, die zweifeln. Und auf der anderen Seite gibt es Menschen, die an Gott glauben - und damit ihre Probleme haben. Die sich nicht erklären können, warum Gott an der einen oder anderen Stelle nicht eingreift. Die mit ihrem Schicksal hadern. Die mit bestimmten religiösen Aussagen und Dogmen nicht klarkommen. 

Die Buskampagne richtet sich, so habe ich es verstanden, vor allem auch gegen ein Religionsverständnis, dass die Menschen einengt. Das ihnen Angst macht. Gegen eine Religion, die die Menschen niederdrückt, statt sie zu befreien. Für ein Leben in Freiheit und Verantwortung für das, was wir tun und für die Welt, in der wir leben. Insofern ist die Buskampagne eigentlich gut christlich: Jesus ist gekommen, um uns frei zu machen. Um uns stark zu machen. Um uns die frohe Botschaft zu verkünden: Gott ist kein Gott der Strafe. Keiner, vor dem ihr Angst zu haben braucht. Keiner, der euch klein machen will. Ganz im Gegenteil. Er will euch aufrichten, stärken, kräftigen, gründen. (1. Petrusbrief 5, 10)
"Ein erfülltes Leben braucht keinen Glauben": Das ist einer der Sprüche, die auf die Werbebanner gedruckt werden sollen. An der Stelle möchte ich dann doch widersprechen: Ein erfülltes Leben braucht Halt. Braucht Hoffnung, Zuversicht und eine Richtung. Mag sein, dass viele das auch ohne Gott finden - ich habe es als Pfarrer oft genug erlebt,  wie der Glaube Menschen gestärkt hat.

Noch einem anderen Spruch muss ich widersprechen: "Aufklärung heißt, Verantwortung zu übernehmen". Natürlich stimmt das - aber auch Glauben bedeutet, Verantwortung zu übernehmen. Glauben heißt ja nicht: Ich lege die Hände in den Schoß und nun mach mal, Gott. Sondern Glauben heißt: Mit offenen Augen und Händen durchs Leben zu gehen. Für andere da zu sein und für sie einzustehen. Eben: Verantwortung zu übernehmen. Das tun die Kirchen schon immer - ob mit Armenspeisungen im Mittelalter oder heute mit Diakonie, Brot für die Welt, Caritas oder auf Gemeindeebene bei unzähligen Besuchen, Gesprächen und Begegnungen. 

Auch, wenn die Buswerbung eventuell von den Verkehrsbetrieben abgelehnt werden sollte: Die Diskussion verspricht spannend zu werden. Ich freue mich, wenn wir da ins Gespräch kommen.  Genau dafür soll die Citykirche einen Ort bieten.

BuskampagneBuskampagne

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Bild von Paula Schultz

Ausgelassen wurde, dass das Ziel der Kampagne Toleranz gegenüber Andersdenkenden ist. Warum ist Werbung auf Bussen und S-Bahnen für Gott und Jesus erlaubt und mit welcher Begründung könnte der vernünftige Zweifel daran verboten werden?

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Bild von Heiko Kuschel

Liebe Frau Schultz,

vielen Dank für Ihren Kommentar.

Toleranz ist für mich eine so große Selbstverständlichkeit, dass sie eigentlich nicht einmal mehr erwähnt werden müsste - wenn denn alle Menschen so denken würde. Toleranz zeigt sich meines Erachtens auch darin, dass ich auf einer kirchlichen Website die Buskampagne nicht nur erwähne, sondern indirekt sogar Werbung dafür mache und sie verlinke.

Aus der Selbstbeschreibung der Buskampagne konnte ich Toleranz aber nicht als eines der Hauptziele herauslesen. Wohl gemerkt: Ich meine damit nicht, die Buskampagne sei intolerant oder rufe gar zu Intoleranz auf. Ich meine nur: Sie wird nur am Rande erwähnt. Ich zitiere von der Startseite der Buskampagne:

Buskampagne.de will die britische Atheist Bus Campaign nach Deutschland bringen. Auch hierzulande haben säkulare Menschen genug davon, absichtsvoll „übersehen“ oder moralisch diskreditiert zu werden. Als Anfang sollen in drei Städten (Berlin, Köln und München) Busse beschriftet werden, die öffentlich bekunden, dass eine nicht-religiöse, aufgeklärte Weltsicht eine positive Möglichkeit darstellt. Nicht-Religiöse, Agnostiker und Atheisten sollen wahrnehmen können, dass sie nicht alleine sind. Sie sollen mutiger werden, sich gegen religiösen Hochmut zur Wehr zu setzen und sich in die öffentlichen Debatten einzumischen. Das Leben ohne einen Gott kann eine Bereicherung sein: angstfrei, selbstbestimmt, bewusst, tolerant und frei von Diskriminierungen.

Darin erkenne ich folgende Ziele:

  • säkulare Menschen in ihrem Selbstbewusstsein und ihrer Selbstwahrnehmung stärken
  • Mut machen, sich gegen religiösen Hochmut zur Wehr zu setzen
  • Menschen zu einem angstfreien Leben ermutigen

Die Sache mit der Toleranz ist da wirklich nur am Rande erwähnt.

Für mich liegt das Problem an einer ganz anderen Stelle. Nämlich in der Wahrnehmung von Kirche als machthungrig, unterdrückend und intolerant. Leider gibt es ja in unserer großen Kirche immer noch ein paar Ewiggestrige, die durch ihre Äußerungen und teilweise auch durch ihre Taten ständig in die Schlagzeilen geraten. Das prägt natürlich die öffentliche Meinung. Ich bin mir ziemlich sicher:  Die große Mehrheit der heutigen Christen denkt nicht so. Ganz im Gegenteil. Die Bücher der Bibel, die von Jesus und seinem Leben erzählen, werden "Evangelium" genannt, das heißt auf Deutsch: frohe Botschaft. Mit fast den gleichen Worten beschreibt die Buskampagne ihr weiteres Vorgehen: "... liegt der Fokus weiterhin auf unserer fröhlichen Botschaft, mit der wir bald in einen dogmenfreien Frühling starten werden." Fröhlich und dogmenfrei, na da bin ich doch sofort dabei!

Ich glaube nicht, dass unser Gott angstvolle, niedergedrückte Menschen sehen möchte. Er möchte genau solche Menschen sehen, wie sie die Buskampagne beschreibt: angstfrei, selbstbestimmt, bewusst, tolerant und frei von Diskriminierungen. 

In unseren Zielen sind wir uns sehr ähnlich. Nur in einem unterscheiden wir uns: Ich glaube an Gott, Sie (vermutlich) nicht. Das ist Ihre eigene Entscheidung. Ich freue mich auf tolerante und offene Diskussionen, vielleicht auch hier auf dieser Website. Schade, dass die Verkehrsunternehmen sich alle nicht trauen...

Bild von Paula Schultz

Lieber Herr Pfarrer Kuschel,

ich bin sehr erfreut, dass Sie so offen mit dem Thema umgehen. Insbesondere dessen weil Sie ein Mann Gottes bzw. der Kirche sind.

Zum Thema Toleranz gebe ich Ihnen recht. Das sollte eine Selbstverständlichkeit für jede aufgeklärte Gesellschaft sein. Die meisten Christen haben eine sehr große Toleranz gegenüber Andersdenkenden. Toleranz ist zweifellos einer der christlichen Werte. Aber er gebührt nicht allein dem Christentum.

Ich finde Ihre Toleranz und Ihren Verweis auf die Website bewundernswert.
Dürfen Sie sich mit Menschen, "[...] die nicht bekennen dass Jesus Christus [...] gekommen ist [...]* überhaupt befassen?
Ich glaube nicht, dass das was mit Aufklärung zu tun hat.

Die Aussage lautet:

"Es gibt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen Gott [...]"

Ich selbst würde nicht so weit gehen, da es weder Beweise für, noch gegen Gott oder Götter gibt.

Die englische Beschriftung der Busse gefiele mir besser:

"There's probably no God. [...]"

Das zeigt einfach die Möglichkeit auf, dass es vielleicht keinen gibt. Diese Annahme ist im Sinne der Aufklärung vernünftig. Glaube hat aber mit Vernunft nichts zu tun. Das abwägen ob man in bestimmten Dingen vernünftig ist oder gläubig muss jeder mit sich selbst ausmachen. In den meisten Fällen gehöre ich wohl eher zu den Gläubigen als zu den Vernünftigen. Beim Glauben geht das geht ganz ohne Gott. Man kann an seinen Mitmenschen glauben, an eine Theorie, an sich selbst, an das Grundgesetz, etc.

Vernunft ist meist langwieriger und komplizierter anzuwenden und bedarf wissenschaftlicher Methodik.

Aber zurück zum Thema: Wenn die Busse mit der sehr provozierenden "deutschen" Beschriftung beklebt werden, dann könnte es passieren, dass viele Menschen, die an Gott (oder vielleicht sogar Götter) glauben in eine extreme Defensivhaltung gehen. Das ist nicht unbedingt Vorteilhaft wenn sie für sich frei denken sollen.

Ihr Glaube an einen liebenden Gott ist zweifellos schöner und regt zu positivem Denken an. Wenn ich aber so an das Alte Testament denke, dann kann Gott aber auch ganz anders...
Vielleicht trauen sich die Verkehrsbetriebe deswegen nicht...

Nein, Spaß bei Seite: Die Verkehrsbetriebe werden das in Stuttgart erst zulassen wenn eine Klage wegen Gleichbehandlung erfolgreich ist. Die Lobby der Kirche ist stark. Und jeder Mensch, der von seinen Mitmenschen annimmt, dass sie nicht so fest im Glauben seienm wie er selbst ist, wird sich dafür einsetzen diese Kampagne zu verhindern.

*) 2. Johannes, Warnung vor Irrlehren, Vers 7
Quelle: www.die-bibel.de/online-bibeln/luther-bibel-1984/lesen-im-bibeltext/bibelstelle/2.joh/cache/fbd8ca1141/

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Bild von Heiko Kuschel

Liebe Frau Schultz,

danke für Ihre ausführliche Antwort. Es tut mir Leid, dass ich erst heute dazu komme, Ihnen zu antworten.

Natürlich darf ich mich mit Menschen befassen, die nicht an Jesus glauben. Das ist sogar eine sehr wichtige Aufgabe. Ich möchte dabei nicht nach der Holzhammermethode "missionieren", sondern mit anderen ins Gespräch kommen, sie zum Nachdenken anregen, auch selbst zum Nachdenken angeregt werden, so wie hier durch unsere kleine Diskussion.

Ja, die englische Version ist in der Tat besser. Viele ernsthafte Christen, mit denen ich gesprochen habe, befürchten, dass Leute, die nicht so fest im Glauben stehen, durch diese sehr provozierende deutsche Beschriftung tatsächlich stark verunsichert werden. Das kann die Diskussion negativ beeinflussen und, wie Sie ja auch schreiben, das freie Denken beeinträchtigen.

Tja, natürlich stehen im Alten Testament auch Dinge über Gott, die nicht so zu unserem "liebenden Gott" passen. Deshalb haben wir ja auch ein Neues. ;-) Ja, ganz ernst: Das Alte Testament ist zwar unsere christliche Wurzel, die wir mit dem Judentum gemeinsam haben. Aber nicht alles, was in diesem Alten Testament steht, ist tatsächlich für uns noch aktuell und relevant. Wir glauben, dass Gott sich uns in Jesus Christus letztgültig gezeigt hat. Und da hat er sich als einer gezeigt, der den Menschen geradezu radikal liebevoll zugewandt ist.

Was die Verkehrsbetriebe machen, kann die Kirche natürlich letztlich nicht beeinflussen, außer durch "vorauseilenden Gehorsam", da heißt, dass die Leute dort denken, sie kriegen dann Ärger mit der Kirche. Ob das so stimmt? Ich weiß es nicht. Kirche ist natürlich ein Machtfaktor, weil sie viele Menschen vertritt. Auch die CDU oder die SPD ist ein Machtfaktor, oder die Gewerkschaften. Ich weiß, dass Kirche manchmal, vor allem in der Vergangenheit, auch ganz schön machthungrig war und vieles falsch gemacht hat. Ich versuche, es heute besser zu machen und lieber mit Überzeugunskraft zu arbeiten.

 

Bild von Heiko Kuschel

MeinungsfreiheitMeinungsfreiheitSehr interessant finde ich den Beitrag von www.godnews.de - Einfach mal hier klicken: http://godnews.de/godnews-meinungsfreiheit.html

Godnews fordert Christen auf, sich für die Buskampagne einzusetzen. Ist tatsächlich eine Überlegung wert - oder doch nicht? Was meinen Sie dazu?

Ich setze diesen Blogeintrag nochmal auf die Startseite, damit er von mehr Besuchern gesehen wird. Was ist Ihre Meinung dazu? 

Ich selbst bin Atheistin aus Überzeugung und war sehr positiv überrascht, als ich auf Ihre Website gestoßen bin.

Meiner Ansicht nach können wir alle im Endeffekt nur Vemutungen anstellen. Wissen kann niemand, was die Wahrheit ist, denn zum Wissen gehören Beweise.

Ich für meinen Teil habe beschlossen, mein Leben so auszurichten, wie es sich nach meinerseitigem Abwägen verschiedener Tatsachen gegeneinander für mich und meine Umwelt am gewinnbringendsten gestaltet (und ich meine damit nicht den materiellen Gewinn).

Warum sollen andere nicht ihre eigene "Methode" finden? Und wieso sollte man sich ständig gegenseitig angreifen, anstatt einander nach dem Motto zu akteptieren: Wissen kann kein Mensch, und jeder kann glauben, was er möchte.

So lange keine aggressive Missionierung stattfindet und Leuten die Möglichkeit gelassen wird, sich selbst zu informieren und sich eine Sache anzusehen, wenn sie selbst wollen, sollte meiner Ansicht nach jede Form von "Werbung" für Glaube oder Weltanschauung frei in der Ausführung sein, natürlich auch die atheistische.

Wenn sehr viele Leute Ihrem Beispiel der Toleranz folgen würden, wäre die Welt ein Stück friedlicher.

Schöner Artikel, gewissermaßen ein Update, auf jesus.de - ein lesenswerter Artikel zum Umgang mit der Atheisten-Aktion in der Schweiz. Ich denke auch, dass wir, statt nur zu jammern, kreativ und humorvoll reagieren können. Eben kontern. :-)

http://www.jesus.de/freunde/mitgliederprofil/blog.html?blogDetail=657 

Das Problem ist eigentlich sehr einfach zu erkennen, finde ich.
Der Slogan ist schlicht und ergreifend zu dumm gewählt und zu provokant um eine ordentliche Diskussion herbeizuführen.
Ich stimme also Paula sehr zu.
Es ist schlicht und ergreifend sehr sehr dämlich (Ich untertreibe)den Satz:

"Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinen Gott"

mit Ernsthaftigkeit vetreten zu wollen, da die Chancen darauf die Nichtexistenz sowie die Existenz Gottes zu beweisen MIT AN SICHERHEIT GRENZENDER WARSCHEINLICHKEIT bzw. mit 100% Warscheinlichkeit (immer und in allen zeiten) bei genau 0,000000000000000000 % liegt.

Genau aus diesem Grund würden viele gläubige Menschen nur verärgert auf diese Aussage reagieren, und das Ziel des Slogans wäre und ist komplett verfehlt.

Psychologisch gesehen, ist das wohl einer der dümmsten Sätze die ich je gehört habe.

Schade eigentlich, da ich finde, dass man sich doch mit diesem Thema befassen sollte, und die Atheisten sich diesmal selber versenkt haben.

Freundliche Grüße an alle Poster

Klingt alles sooooooo schön mit der Toleranz. Ich möchte aber bitten, daß das dann auch so gelebt wird. Ich habe noch nie versucht jemanden von meiner atheistischen Grundhaltung zu überzeugen. Wenn jemand Spaß hat an Gott zu glauben und ihm das beim Leben hilft soll er das gern machen - stört mich nicht. ABER: Wenn meine Kinder keine Wahlfreiheit haben und in der Schule (wenn auch spielerisch) die Bibel gepredigt bekommen hört bei mir der Spaß auf. Die Kinder bekommen von uns gesagt was gut und richtig ist. Sie haben keine Chance selbst zu wählen. Und das Argument, daß Religionsunterricht abgewählt werden kann ist leider auch unrealistisch. An unserer Schule müßten die Kinder dann nämlich in einem anderen Klassenverband die Zeit abwarten bis der Religionsunterricht vorbei ist - Für mich klare Diskriminierung. Ich möchte alle Gläubigen bitten unsere Kinder in Ruhe zu lassen.

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