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Karfreitagstanz

Bild von Heiko Kuschel

Ich mag gar nicht auf Twitter gehen heute. Mir scheint fast, dass es für viele Menschen nichts Wichtigeres zu geben scheint, als 366 Tage im Jahr Tanzen gehen zu dürfen. Eine Woge von Gehässigkeit wogt durch Twitter, über diese rückständige Kirche, die es einem nicht erlaube, an diesem Tag zu tanzen. Wo bleibe denn da die Toleranz und überhaupt.

Zunächst einmal ganz klar die Feststellung: „Die Kirche“ kann nicht allzu viel dafür. Der Karfreitag ist ein kirchlicher Feiertag, natürlich. Das Gesetz aber hat der Staat erlassen; genauer gesagt, die einzelnen Bundesländer. Entsprechend unterschiedlich sind auch die Auslegungen dessen, was am Karfreitag erlaubt ist und was nicht. Wikipedia liefert da eine ganz gute Übersicht. Auch staatliche Feiertage, insbesondere der Volkstrauertag, werden vom Tanzverbot geschützt.

Bischof for president?

Bild von Heiko Kuschel

Unter den Kandidatinnen und Kandidaten, die zurzeit so für das Amt des Bundespräsidenten gehandelt werden, sind ja eine ganze Menge evangelische Theologen und in der evangelischen Kirche engagierte Menschen: An erster Stelle natürlich Joachim Gauck, ehemals Pfarrer in der DDR. Dann wäre da der ehemalige Bischof Wolfgang Huber. Dazu noch Katrin Göring-Eckardt, Präses der Synode der EKD, und Margot Käßmann, ehemalige EKD-Ratsvorsitzende.

Manche rufen jetzt entsetzt: Wo bleibt da die Trennung von Staat und Kirche? Warum mischt sich die evangelische Kirche so ein? Wir fühlen uns als Atheisten (Buddhisten, Katholiken, ...) nicht ausreichend vertreten von so jemandem.

Gibt's hier eigentlich noch Christen außer mir?

Bild von Heiko Kuschel

Ganz Deutschland ist von Kirchengegnern besetzt. Ganz Deutschland? Nein: Ein kleines, völlig gestriges Häuflein Kirchentreuer lädt einen alten Mann namens Papst ein, sie zu unterstützen – gegen den Willen der überwältigenden Mehrheit der Deutschen.

Diesen Eindruck konnte man jedenfalls gewinnen, wenn man in den letzten Wochen die Medien und vor allem auch Twitter verfolgte. Fast bekam ich als evangelischer Pfarrer schon ein schlechtes Gewissen, dass ich andere mit meiner christlichen Botschaft belästige. Was einem da an Häme und Feindschaft entgegenschlug, war teilweise wirklich nur noch schwer zu ertragen. Nein, ich habe wirklich nichts gegen eine – durchaus auch heftige – Auseinandersetzung um Glaubensfragen und um Fragen der Ethik, der Kirchengeschichte und was weiß ich. Aber mit Menschen, die meinen Glauben lächerlich machen, ist es sehr schwer zu diskutieren.