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Lebt als Kinder des Lichts.


vonHeiko Kuschel - geschrieben am05 März 2010

Bild von Heiko Kuschel

Predigt am Sonntag Okuli 2010
Gochsheim, 7.3.2010

Text: Eph 5, 1-8 So folgt nun Gottes Beispiel als die geliebten Kinder 2 und lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch. 3 Von Unzucht aber und jeder Art Unreinheit oder Habsucht soll bei euch nicht einmal die Rede sein, wie es sich für die Heiligen gehört. 4 Auch schandbare und närrische oder lose Reden stehen euch nicht an, sondern vielmehr Danksagung. 5 Denn das sollt ihr wissen, daß kein Unzüchtiger oder Unreiner oder Habsüchtiger - das sind Götzendiener - ein Erbteil hat im Reich Christi und Gottes. 6 Laßt euch von niemandem verführen mit leeren Worten; denn um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Ungehorsams. 7 Darum seid nicht ihre Mitgenossen. 8 Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Lebt als Kinder des Lichts.

Liebe Gemeinde!

Lange habe ich überlegt, ob ich über diesen Text heute überhaupt predigen soll. Denn viel zu offensichtlich ist dieser Zusammenhang mit den Nachrichten, die wir vor allem über unsere katholische Schwesterkirche zur Zeit leider jeden Tag hören. „Von Unzucht soll bei euch nicht einmal die Rede sein“, heißt es hier im Text. Doch im Moment ist sie jeden Tag in den Schlagzeilen. Als Evangelischer könnte man sich da vielleicht zurücklehnen und sagen: Na ja, das sind ja die anderen. Aber nein, das kann ich nicht. Erstens natürlich nicht wegen der vielen Menschen, die unter dieser „Unzucht“, nehmen wir ruhig mal das Wort aus dem Epheserbrief, leiden mussten. Und zweitens auch nicht, weil es uns alle angeht, wenn Menschen, die an Jesus Christus glauben, solche schweren Fehler, ja Verbrechen begehen. Drittens auch deshalb nicht, weil wir evangelischen auch nicht frei von Fehlern sind. Mit sind zwar keine aktuellen Fälle von Kindesmissbrauch bekannt, aber erst letzte Woche hat unsere EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann ihren Rücktritt erklärt, weil sie einen schweren Fehler begangen hat. Keine „Unzucht“, klar. Aber eben doch einen Fehler, den zumindest sie selber sich nicht verzeihen konnte.

Lange habe ich überlegt, ob ich über diesen Text heute überhaupt predigen soll. Denn viel zu offensichtlich ist dieser Zusammenhang mit den aktuellen Nachrichten. Da fällt es leicht, zu übersehen, dass dieser Text doch auch an uns gerichtet ist. Der Text meint gar nicht unbedingt diese „großen“ Vergehen, die natürlich auch. Er meint unser kleines, mehr oder weniger normales, alltägliches Leben. „Lebt als Kinder des Lichts“, sagt uns dieser Text. Und fragt uns damit auch: Wo in eurem Leben kann man eigentlich ablesen, dass ihr von Gott geliebt seid? Was unterscheidet euch eigentlich im Alltag von denen, die nicht an Gott glauben? Wo zeigt sich euer Glaube denn?

„Lebt als Kinder des Lichts“, fordert uns der Predigttext auf. Mitten in der Passions- und Fastenzeit erinnert er uns daran, dass unsere Freiheit nicht einfach etwas ist, das wir halt so lala geschenkt bekommen haben, weil Gott halt mal grade einen guten Tag hatte. Nein, ganz im Gegenteil. Sie ist teuer erkauft. Für all die vielen Fehler, die wir in unserem Leben begehen, für die Momente, in denen wir andere verletzen, missachten, sie klein machen: Für alle unsere Sünden ist Jesus Christus in die Welt gekommen. An seinen schweren Weg ans Kreuz denken wir in dieser Zeit. Manche von uns verzichten vielleicht auf etwas. Fasten, konzentrieren sich auf das Wesentliche. Das fällt nicht leicht, doch es erinnert uns daran, wie wir leben sollen: Frei. Als Kinder des Lichts. Nicht abhängig von irgendwelchen Dingen, die uns süchtig machen. Nicht abhängig von Gewohnheiten, Neigungen, Zwängen des täglichen Lebens. Das ist auch der Sinn des Fastens: Dass wir uns von Zwängen befreien. Vielleicht auf Alkohol für eine Weile verzichten. Oder auf Kaffee. Oder auch auf Streit. Böse Worte. Dinge, die irgendwie auf uns zukommen, uns gewissermaßen bestimmen wollen. Aber wir: Wir sind frei. Frei, Nein zu sagen – oder das Gläschen Wein, die Schokolade, den Kaffee, was auch immer, zu genießen ohne Reue. 

Lebt als Kinder des Lichts. Das heißt: Lebt so, dass die Menschen um euch herum erkennen können, dass ihr von Gott geliebt seid. Lebt klar, lebt liebevoll. Es heißt nicht: Macht niemals mehr Fehler. Es heißt nicht: Bemüht euch verbissen um einen rechten Lebenswandel. Es heißt: Lebt befreit.

Margot Käßmann, so sehr ich ihren Rücktritt bedauere, hat gezeigt, wie das gehen kann: Sie hat ihren Fehler offen eingestanden, deutlich gesagt, wie sehr sie ihn bedauert, und daraus ihre persönlichen Konsequenzen gezogen. Und dabei ihr Vertrauen auf Gott ausgedrückt: „Du kannst nicht tiefer fallen als in Gottes Hand.“

Lebt als Kinder des Lichts. Lebt frei, nicht verbissen. Lebt liebevoll, aber nicht einengend. Euer Leben ist teuer erkauft.

So folgt nun Gottes Beispiel als die geliebten Kinder 2 und lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch. 3 Von Unzucht aber und jeder Art Unreinheit oder Habsucht soll bei euch nicht einmal die Rede sein, wie es sich für die Heiligen gehört. 4 Auch schandbare und närrische oder lose Reden stehen euch nicht an, sondern vielmehr Danksagung. 5 Denn das sollt ihr wissen, daß kein Unzüchtiger oder Unreiner oder Habsüchtiger - das sind Götzendiener - ein Erbteil hat im Reich Christi und Gottes. 6 Laßt euch von niemandem verführen mit leeren Worten; denn um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Ungehorsams. 7 Darum seid nicht ihre Mitgenossen. 8 Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Lebt als Kinder des Lichts.

Das, liebe Gemeinde, wird keiner immer und überall schaffen. Dieser Anspruch ist einfach zu hoch für uns. Wir müssen ihn auch nicht immer und ständig erfüllen. Wir dürfen Fehler machen. Wir dürfen auch mal danebenliegen mit unserer Meinung. Wir dürfen auch mal Dinge tun, die nicht richtig sind. Dafür, dass wir trotzdem befreit leben können, ist Jesus Christus gestorben.

Übrigens: Er ist auch gestorben für die Täter, von denen nun jeden Tag in den Nachrichten zu hören ist. Für diese Menschen, die so schwere Schuld auf sich geladen haben, auch für sie ist Jesus gestorben. Das ist manchmal schwer zu akzeptieren. Auch für mich. Gottes Liebe ist groß. Wie können wir damit umgehen?

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen. 

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