Vom Himmel hoch da komm ich her - Weihnachtspredigt

Verfasst von Heiko Kuschel am 25. Dezember 2009 - 14:14
Bild von Heiko Kuschel

Predigt an Weihnachten 2009

Gochsheim, 27.12.2009

Text: Vom Himmel hoch
 

1.Vom Himmel hoch da komm ich her,
ich bring euch gute neue Mär;
der guten Mär bring ich so viel,
davon ich singn und sagen will.
2.Euch ist ein Kindlein heut geborn
von einer Jungfrau auserkorn,
ein Kindelein so zart und fein,
das soll eu'r Freud und Wonne sein.
 

Liebe Gemeinde!

Dieses Lied ist uns allen wirklich gut bekannt. Manche könnens wahrscheinlich schon nicht mehr hören, diese ganze Weihnachtsmusik. Aber mal ganz ehrlich: Kennen Sie auch die anderen Strophen? Wissen Sie überhaupt, was alles in diesem Lied steckt? Ich lade Sie ein, heute statt über einen Bibeltext einmal mit mir über dieses Lied nachzudenken.

Wahrscheinlich hat Martin Luther das Lied erst einmal für seine eigene Familie geschrieben. Für die eigene Weihnachtsfeier zu Hause. Auf eine bekannte Melodie der damaligen Zeit - „Ich komm aus fremden Landen her“ - schrieb er einen neuen Text. Erst vier Jahre später komponierte er noch die Melodie dazu, die wir heute kennen.

Aber jetzt lassen Sie uns einmal auf das Lied selbst schauen. „Vom Himmel hoch, da komm ich her“, so singt der Engel. Ein Engel, ein Bote Gottes, kommt an Weihnachten zu uns. Himmel und Erde berühren sich an diesem besonderen Tag. Und die Botschaft, die der Engel von Gott bringt, die sagt alles aus darüber, wie Gott ist: Eine frohe Botschaft ist das. Keine, die uns Angst machen will, keine, die uns niederdrücken will, nein: Eine gute, eine neue Mär – Mär heißt soviel wie Botschaft, Geschichte. Eine gute und auch eine neue Botschaft ist es, die der Engel bringt. Etwas Neues entsteht, wo Himmel und Erde sich berühren. Und das ist die Botschaft: „Euch ist ein Kindlein heut geborn!“ Zart und fein ist es, dieses Kind. Wie Kinder eben so sind. So wie dieses Kind, so zeigt sich uns Gott. Gott wird ein Kindlein, zart und fein. Kein großer Herrscher, der bestimmt. Ein kleines Kind, das verzaubert. Und doch etwas ganz Besonderes. Wozu er in die Welt kommt, das sagt uns der Engel in den folgenden Strophen.

3.Es ist der Herr Christ, unser Gott,
der will euch führn aus aller Not,
er will eu'r Heiland selber sein,
von allen Sünden machen rein.

4.Er bringt euch alle Seligkeit,
die Gott der Vater hat bereit',
daß ihr mit uns im Himmelreich
sollt leben nun und ewiglich.

5.So merket nun das Zeichen recht:
die Krippe, Windelein so schlecht,
da findet ihr das Kind gelegt,
das alle Welt erhält und trägt.«

Dieses Kind da in der Krippe, dieses kleine, zarte und zerbrechliche Wesen – das soll „der Herr Christ, unser Gott“ sein? Ja, für uns ist das selbstverständlich, wir kennen die Geschichte. Seit 2000 Jahren wird sie immer wieder erzählt. Aber damals? Als die Engel den Hirten erschienen? Da war Gott ein fernes Wesen, einer, der manchmal auch strafte. Gerecht, ja, auch voller Liebe zu seinen sündigen Menschen, aber unnahbar. Und dieser Gott soll in einem Kind in die Welt kommen? Und die Hirten sollen die ersten sein, die es erfahren? Fast nicht zu glauben. Aber der Engel sagt es so: Ja, dieses Kind, das ist in die Welt gekommen, um euch aus aller Not herauszuführen, um euch rein zu machen von allen Sünden. Um euch den Weg ins Himmelreich zu ebnen.

Den Hirten muss der Engel beschreiben, was für uns selbstverständlich geworden ist: Dass dieses Kind ein ganz einfaches Kind ist. Dass es völlig verarmt in einer Futterkrippe liegt, in einem Stall. Heimatlos, in der Fremde. Dieses Kind, das doch die ganze Welt erhält und trägt!

So spricht der Engel zu den Hirten. Jetzt wechselt gewissermaßen die Perspektive. Martin Luther selbst spricht jetzt in den nächsten Strophen zu uns:

6.Des laßt uns alle fröhlich sein
und mit den Hirten gehn hinein,
zu sehn, was Gott uns hat beschert,
mit seinem lieben Sohn verehrt.

7.Merk auf, mein Herz, und sieh dorthin;
was liegt doch in dem Krippelein?
Wes ist das schöne Kindelein?
Es ist das liebe Jesulein.

8.Sei mir willkommen, edler Gast!
Den Sünder nicht verschmähet hast
und kommst ins Elend her zu mir:
wie soll ich immer danken dir?

Lasst uns alle fröhlich sein, so fordert uns Luther auf. Wir gehören dazu! Genau wie die Hirten sind wir eingeladen, dieses Wunder zu betrachten. Und das ist nicht unbedingt etwas für den Verstand, sondern vor allem fürs Herz: „Merk auf, mein Herz, und sieh dorthin!“

Luther ist sich wohl bewusst, dass wir Menschen dieses Wunder eigentlich nicht verdient hätten. „Den Sünder nicht verschmähet hast“, haben wir gerade gesungen. Gott kommt in unser Elend. In diese Welt, so wie sie ist. Und wir alle wissen: Sie ist oft eben keine heile Welt. Da gibt es Streit und Hass. Angst vor der Zukunft. Existenzängste. Geplatzte Träume. Trauer um Verlorengegangenes. Mutlosigkeit: So ist unsere Welt oft. Genau da hinein kommt dieser Jesus. Und er bleibt ja nicht ein Leben lang dieses süße Jesulein im Krippelein, nein: Er erträgt selbst dieses ganze Elend, das wir jeden Tag erleben. Er wird ganz und gar einer von uns. Kostet auch das Bittere des Lebens aus bis zum Letzten. Stirbt für uns am Kreuz. Das ist das wahre Wunder an Weihnachten: Dass Gott sich ganz und gar hineinbegibt in unsere Welt. Nicht nur oberflächlich, sondern wirklich gewissermaßen mit Haut und Haar.

In den nächsten Strophen betrachtet Luther noch einmal, wie groß dieser Unterschied ist – zwischen dem göttlichen Wesen, dem Schöpfer aller Dinge, und diesem kleinen, geringen Menschlein, das da in der Krippe liegt. Und dabei wäre doch selbst die ganze Welt, bezogen mit Gold und Edelsteinen, nicht genug, nicht ausreichend, um den Retter der Welt zu empfangen.

9.Ach Herr, du Schöpfer aller Ding,
wie bist du worden so gering,
daß du da liegst auf dürrem Gras,
davon ein Rind und Esel aß!

10.Und wär die Welt vielmal so weit,
von Edelstein und Gold bereit',
so wär sie doch dir viel zu klein,
zu sein ein enges Wiegelein.

11.Der Sammet und die Seiden dein,
das ist grob Heu und Windelein,
darauf du König groß und reich
herprangst, als wär's dein Himmelreich.

Ja, sagt Luther: Gott tauscht sein Himmelreich ein gegen unsere kalte, arme Welt. Wo Himmel und Erde sich berühren, da wird Gott ein Mensch. Er macht sich klein, um uns groß zu machen. Statt Samt und Seide, die immer noch zu wenig wären, um den Sohn Gottes zu kleiden, liegt das Kind in Heu und Stroh – und macht dieses Heu, dieses Stroh, diese Krippe allein durch seine Anwesenheit zu einem Teil des Himmels. Darum können wir froh sein, heute an Weihnachten. Froh sein, auch wenn wir manche Traurigkeit mit uns herumtragen. Froh sein, auch dann, wenn wir sorgenvoll in die Zukunft blicken. Denn der Himmel hat die Erde berührt.

Lassen wir dieses Wunder ein in unser Herz. Lassen wir uns anstecken von dieser Freude. Lassen wir den Lobgesang der Engel in unser Herz. Gott wurde Mensch. Der Himmel auf Erden hat begonnen.

Amen.

12.Das hat also gefallen dir,
die Wahrheit anzuzeigen mir,
wie aller Welt Macht, Ehr und Gut
vor dir nichts gilt, nichts hilft noch tut.

13.Ach mein herzliebes Jesulein,
mach dir ein rein sanft Bettelein,
zu ruhen in meins Herzens Schrein,
daß ich nimmer vergesse dein.

14.Davon ich allzeit fröhlich sei,
zu springen, singen immer frei
das rechte Susaninne (Wiegenlied) schön,
mit Herzenslust den süßen Ton.

15.Lob, Ehr sei Gott im höchsten Thron,
der uns schenkt seinen ein'gen Sohn.
Des freuet sich der Engel Schar
und singet uns solch neues Jahr.
 

Text: Martin Luther 1535
Melodie: Martin Luther 1539

 

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