Texte der Klänge in der Nacht am 26.2.2016

Verfasst von Heiko Kuschel am 26. Februar 2016 - 22:00
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Mose

Mose an der Kanzel

 

Mose in Rot: “Ein kaltes, gebrochenes Halleluja singe ich.“ Klänge in der Nacht

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Ich bin Mose. Vor über 300 Jahren stellte man mich unter diese Kanzel. Als ein Zeichen für die Menschen: Die Predigten hier, sie stehen auf dem Grund der Zehn Gebote. Die Predigten, die hier gehalten werden, sie fußen auf dem Alten Testament. Ihr habt gemeinsame Wurzeln mit dem Judentum. Manchmal, in eurer Geschichte, da wäre es gut gewesen, ihr hättet auf dieses Zeichen geachtet.

Ich bin Mose. Vor über 300 Jahren stellte man mich unter diese Kanzel. Gott zu Lob und Ehre. Doch d1as Halleluja, das ich so gerne singen möchte: Es kommt mir nur zaghaft über die Lippen. Wie kann ich Gott loben und preisen in einer Welt, die so voll Hunger, Krieg, Angst, Vertreibung, Flucht und Hass ist? Wie kann ich Gott loben in einem Land, in dem schutzsuchende Menschen vom Pöbel bedrängt werden, so dass sie nicht aus dem Bus in ihr neues Heim zu gehen wagen? Wie kann ich Gott loben in einem Land, in dem Häuser brennen und die Umstehenden jubeln?

Erinnerungen werden in mir wach. An meine Zeit, damals in Ägypten, als wir die Flüchtlinge waren, als wir von unserem Gott in ein fernes Land geführt wurden, in dem, so hieß es, Milch und Honig fließen. Erinnerungen an das Leid in Ägypten, an die Beschwernisse der Reise, an Hunger, Einsamkeit, schmerzende Füße, Zweifel und Heimweh nach den Fleischtöpfen Ägyptens.

Erinnerungen werden in mir wach an eine ganz andere Zeit, damals, vor 80 Jahren. Tausend Jahre sollte das Deutsche Reich währen. Und auch damals waren die Gegner schnell ausgemacht. Die Juden waren es, also auch ich. Heute sind's die Flüchtlinge, die Muslime, die Ausländer überhaupt. Tausend Jahre sollte dieses Reich währen und war doch nach wenigen Jahren am Ende. Millionen Menschen tot. Die Städte zerstört. Diese Kanzel, die ich hier trage, in tausende Splitter zersprungen.

Halleluja will ich singen. Und es bleibt doch ein schweres Unterfangen. Kein fröhliches Loblied aus vollem Munde, nein: Ein kaltes, gebrochenes Halleluja. Gott, ich lobe dich, dass du alles geschaffen hast. Und doch leide ich: An meiner eigenen Selbstsucht, an den Streitereien, den Kriegen, der Not der Menschen. Halleluja: Gott, erbarme dich.

Es muss doch noch irgendwo sein

Marie-Luise Kaschnitz

Freude

Hedwig-Maria Winkler

Lied: Halleluja (Leonard Cohen)

Kanzeltreppe

Kanzeltreppe

 

Himmelsleiter. Klänge in der Nacht.

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Die Kanzel: Hoch oben, damit alle den Prediger, die Predigerin sehen können. Die Kanzel: Hoch oben, ein Sinnbild für den Weg zu Gott. In der Predigt begegnen sich Gott und Mensch. In der Predigt ist der Weg frei von Mensch zu Gott, von Gott zu Mensch.

Die Kanzeltreppe: In den meisten Kirchen gut versteckt. Mal über die Sakristei zu erreichen, mal irgendwie hinter der Kanzel, wenig sichtbar. Doch hier: Prunkvoll, vergoldet, ein wesentlicher Teil des Ganzen. Der Weg nach oben. Die Himmelsleiter.

Ausdruck unserer Sehnsucht: Himmelwärts, nach oben, hin zu Gott.

Ausdruck unserer Sehnsucht: Gott nahe zu sein. Ihm zu begegnen.

Ausdruck unserer Sehnsucht: Diese Welt zu verlassen, den Jammer, das Elend. Himmelwärts, zur Erlösung. Halleluja singen, nicht gebrochen, nein: Frei, fröhlich, vollen Herzens.

Die Kanzeltreppe: Werde ich dich jemals finden, Gott?

Verborgener Gott

Gott, mein Gott,

wo hältst du dich verborgen?

In dieser ganzen Welt

voll Kälte, Krieg und Kummer

sehe ich

dein liebendes Antlitz

nicht.

Menschen sterben, Gott! Sie leiden schreckliche Qualen.

Werden ausgebombt, ertrinken im Meer,

scheitern an Stacheldrahtzaun und fremder Sprache

verlieren

alle Hoffnung.

Gott, mein Gott,

wo hältst du dich verborgen?

In meinem kleinen Leben

voll Krankheit, Sorgen, Angst

sehe ich

dein liebendes Antlitz

nicht.

Verliere die Hoffnung, manchmal,

verliere den Sinn, das Ziel,

scheitere an eigenen Ängsten und meinem Eigensinn.

Gott, mein Gott,

wo hältst du dich verborgen?

Das alte Thema – 7 und 8

Marie-Luise Kaschnitz

Psalm 73, 23-26

Dennoch bleibe ich stets an dir;
denn du hältst mich bei meiner rechten Hand,

du leitest mich nach deinem Rat
und nimmst mich am Ende mit Ehren an.

Wenn ich nur dich habe,
so frage ich nichts nach Himmel und Erde.

Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet,
so bist du doch, Gott, allezeit
meines Herzens Trost und mein Teil.

Psalm 73,23-26

Lied: Da wohnt ein Sehnen tief in uns

Grabmal Anna Höfel

Grabmal Anna Höfel

 

Anna Höfel 1603-1665. Klänge in der Nacht.

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Anna Hoefelin geborne Rüfferin ward zu Schweinfurt geboren Anno 1603. starb Anno 1665. Am 14. Oktober

Was ich war und hatt` ist hin,
und nur das jetzt mein Gewinn,
daß genannt ich worden bin,
Die fromm Doctor Hoefelin.

Anna Höfel

Anna Höfel, geborene Rüffer ist mein Name. Einst war ich eine bedeutsame Frau in Schweinfurt. Mein Mann Johann war ein angesehener Jurist und in ganz Deutschland bekannt.

Wir lebten in einem der schönsten Häuser der Stadt, dem Schöpperhaus. Wir hatten Geld, wir hatten Einfluss, wir hatten alles, was wir uns nur vorstellen konnten. Und doch lebten wir in einer schweren Zeit: Mitten im Dreißigjährigen Krieg.

Unser Glaube war uns Trost und gab uns Zuversicht. Mein Mann und ich, wir beteten jeden Tag zu unserem Herrn Jesus. Im Eingang unseres Hauses hängt noch heute ein Gedicht meines Mannes:

Dies Haus ist mein und doch nicht mein.
Der es vor mir besessen,
der sagte auch, es wäre sein
und jetzt ist er vergessen.

Man trug ihn hin, ich nahm es ein,
ein andrer kommt nach mir darein.
Wohl dem, der hier bei seiner Zeit
Des Lebens sich als Weiser freut.

Schon lange hat man uns beide nun auch dahingetragen. Was bleibt?

Unseren Reichtum konnten wir nicht mitnehmen.

Unser schönes Haus, es überdauerte uns lange Zeit, war der Stolz dieser Stadt, bis zu diesem letzten schrecklichen Krieg. Nun steht nur noch das Erdgeschoss. Ihr kennt es vielleicht als Roth'sches Haus in der Oberen Straße. Oder als Restaurant Dalmatia.

Was bleibt von uns?

Ein Erdgeschoss. Ein Name. Ein Gedicht. Ein Grabmal hier in der Kirche.

Und unsere Hoffnung. Unser Glaube, der uns trug und weiter trägt, hin zu ihm, unserem Heiland und Erlöser. Bei ihm bin ich zu Hause. Und ich vertraue darauf: Eines Tages werdet auch ihr dort bei mir sein. Ich freue mich auf euch.

Todes-Erfahrung

Wir wissen nichts von diesem Hingehn, das
nicht mit uns teilt. Wir haben keinen Grund,
Bewunderung und Liebe oder Hass
dem Tod zu zeigen, den ein Maskenmund

tragischer Klage wunderlich entstellt.
Noch ist die Welt voll Rollen, die wir spielen.
Solang wir sorgen, ob wir auch gefielen,
spielt auch der Tod, obwohl er nicht gefällt.

Doch als du gingst, da brach in diese Bühne
ein Streifen Wirklichkeit durch jenen Spalt
durch den du hingingst: Grün wirklicher Grüne,
wirklicher Sonnenschein, wirklicher Wald.

Wir spielen weiter. Bang und schwer Erlerntes
hersagend und Gebärden dann und wann
aufhebend; aber dein von uns entferntes,
aus unserm Stück entrücktes Dasein kann

uns manchmal überkommen, wie ein Wissen
von jener Wirklichkeit sich niedersenkend,
so dass wir eine Weile hingerissen
das Leben spielen, nicht an Beifall denkend.

Rainer Maria Rilke

Auferstehung

Luise Rinser schreibt: Ich bin oft gefragt worden, wie ich mir das Auferstehen vorstelle. Ich stelle es mir nicht in theologisch-dogmatisch bestimmten Bildern vor. Aber in Träumen erhalte ich Belehrung darüber. Der Kern ist immer der gleiche. Ich werde getötet, erschrecke einen Augenblick und falle in eine dunkle Tiefe, werde aber plötzlich von etwas Unsichtbarem aufgefangen und finde mich in einem Licht, das ich vorher nie sah.

Luise Rinser

wenn ich gestorben bin

Kurt Marti

 

Kleiner Vorgeschmack auf Klänge in der Nacht

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Liebliche Kutsche

Schaukle sanft, liebliche Kutsche,
du kommst um mich nach Hause zu führen
Schaukle sanft, liebliche Kutsche
du kommst um mich nach Hause zu führen

Ich schaute über den Jordan und was sah ich?
Sie kamen, um mich nach Hause zu führen!
Eine Engelsschar näherte sich mir,
Sie kamen um mich nach Hause zu führen!

Solltest du vor mir dort ankommen,
er kommt um mich nach Hause zu führen!
Sag all meinen Freunden, ich komme auch!
Er kommt um mich nach Hause zu führen

Manchmal bin ich fröhlich und manchmal niedergeschlagen.
Er kommt, mich nach Hause zu führen.
Doch auch dann strebt meine Seele himmelwärts
Er kommt, mich nach Hause zu führen.

Schaukle sanft, liebliche Kutsche,
du kommst um mich nach Hause zu führen
Schaukle sanft, liebliche Kutsche,
du kommst um mich nach Hause zu führen

Übersetzung nach http://classic-rocks.de/englische-kinderlieder/swing-low-sweet-chariot.html

Lied: Swing low, sweet chariot

Kruzifix im Chorbogen

Kruzifix im Chorbogen

 

Kruzifix im Chorbogen. Klänge in der Nacht.

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Da wohnt ein Sehnen tief in uns nach Gott. Voller Sehnen blicken wir hinauf, begehen die Himmelsleiter, nähern uns lobsingend, suchend, zweifelnd ihm: Gott.

Doch dort oben ist kein strahlendes Wesen, das alles überleuchtet. Über unserem ganzen Leben, über unseren Lobliedern und unserem Angstgeschrei, über unserem Lachen und Weinen, über unserer Trauer und unserer Freude, hängt er: Jesus am Kreuz. Der Leidende und Liebende. Der, der mit seiner Liebe diese Welt überwindet.

Aus der Tiefe

Ausgeworfen vom Leben
in eine Wüste aus Fragen gestellt
sind wir nackt
und ruhen auf Betten aus Stein
leere Nächte legen sich
auf unsere Heimstatt

Alles ist weit

Aber wir haben
noch unsere Gedanken:
Die können wir knüpfen und stricken
zu einem Traum
stark genug
Engel zu tragen

Vorsichtig schauen wir
durch die Dunkelzeit
aufwärts

Auf eine andere Seite von uns
die näher ist
als wir denken

Marlies Blauth

Jesus am Kreuz

Und ich saß
am Fuß der Zeit
und sah
das Leid des Menschenkindes
in einem Strom
an mir vorbei.

Krankheit Tod Krieg Verfolgung Angst Schmerzen Krebs Drogen Schlauchboote U-Boote Kriegsschiffe Bomben Raketen Ausbeutung Hunger Folter Lager Galgen Fäuste Messer Gewehre

Und ich stand auf
himmelwärts
und hoffte
in einem Strom
in mich hinein
aus mir heraus

Liebe Vertrauen Zuneigung Verantwortung Freundschaft Versöhnung Freundlichkeit Heilung Speisung Freiheit Freude Lachen Geburt Leben

Und ich schwebte
himmelwärts
und traf ihn
am Kreuz
immer noch

Und er sprach:
Geh nur!
Es ist vollbracht.

Wir müssen uns versenken

Dietrich Bonhoeffer schreibt:

Wir müssen uns immer wieder sehr lange und sehr ruhig in das Leben, Sprechen, Handeln, Leiden und Sterben Jesu versenken, um zu erkennen, was Gott verheißt und was er erfüllt. Gewiss ist, dass im Leiden unsere Freude, im Sterben unser Leben verborgen ist; gewiss ist, dass wir in dem allen in einer Gemeinschaft stehen, die uns trägt.

Dietrich Bonhoeffer

Lied: Were you there when they crucified my Lord

Altarbild

Altarbild

 

Moderne Auferstehung im alten Rahmen. Klänge in der Nacht.

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Welch ein Kontrast! Seit 57 Jahren ist dieses Altarbild immer wieder ein Ärgernis. Was soll dieses moderne Bild in diesem frühklassizistischen Rahmen? Hätte man nicht doch besser das alte Bild wiederherstellen sollen oder wenigstens etwas im gleichen, alten, althergebrachten Stil malen sollen?

Fremd wirkt es, fremd und unpassend in diesem Rahmen aus Stuckmarmor.

Aber muss es uns nicht fremd sein, fremd und unpassend in unserem Lebensrahmen – das was hier dargestellt wird, die Auferstehung?

Wie wird es sein, dieses Leben, auf das wir hoffen? Das Leben, das uns Jesus verheißen hat?

Fremdes Bild in vertrautem Rahmen. Altes und Bekanntes, ganz neu dargestellt. Farbig. Hoffnungsvoll. Den Rahmen sprengend. So mag es sein, das neue Leben. So mag Gott uns eines Tages mit neuen Farben malen.

Zukunftsmusik

Wenn es so etwas wie Zukunftsmusik gibt, dann war sie damals, dann ist sie am Ostermorgen an der Zeit: zur Begrüßung des neuen Menschen, über den der Tod nicht mehr herrscht. Das müsste freilich eine Musik sein – nicht nur für Flöten und Geigen, nicht für Trompeten, Orgel und Kontrabass, sondern für die ganze Schöpfung geschrieben, für jede seufzende Kreatur, sodass alle Welt einstimmen und groß und klein, und sei es unter Tränen, wirklich jauchzen kann, ja so, dass selbst die stummen Dinge und die groben Klötze mitsummen und mitbrummen müssen: Ein neuer Mensch ist da, geheimnisvoll uns allen weit voraus, aber doch eben da.

Eberhard Jüngel

wenn dein Reich kommt

Marielene Leist

Lied: Bless the Lord

Lobe den Herrn

Lobe den Herrn, meine Seele,
und lobe seinen heiligen Namen!
Lobe den Herrn, meine Seele,
ihn, der mich ins Leben führt.

Im Sinne von Psalm 23

Hanns-Dieter Hüsch

Lied: Der Müden Kraft

Vaterunser

Ostersegen

Und nun geht. Geht mit Gottes Segen.
Geht in euer Leben, voller Kraft.
Liebt und streitet, lacht und weint,
lebt jeden Tag voll großer Leidenschaft.

Also geht. Gehet eure Wege.
Füllt die Tage, die er euch geschenkt.
Nutzt eure Gaben, bringt die Welt zum Blühen!
Denn alles kommt von dem, der Erd und Himmel lenkt.

Und nun geht. Das Leben ist voll Wunder.
Und selbst der Tod ist nunmehr nur ein kleines Tor.
Aus allem Dunkel, allen Trauerfalten
spitzt heut das Licht von Gottes Liebe vor.

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