ökumenische Wagenkirche


Die ökumenische Wagenkirche ist ein Projekt der katholischen Citypastoral und der evangelischen Citykirche Schweinfurt. Gemeinsam ziehen Past.-ref. Ulli Göbel und Pfarrer Heiko Kuschel (fast) jeden Freitagmittag durch die Schweinfurter Innenstadt und geben einen kurzen Impuls fürs Wochenende. Gerne sind wir auch zu Gesprächen bereit. Sprechen Sie uns einfach an! 

Wagenkirche: Urlaub - in Gottes Hand

29.07.2016 - 18:55

Angst, Terror, Urlaub, Vertrauen, Wagenkirche

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So, Ulli, jetzt sind endlich Ferien! Die Kinder haben alle ihre Zeugnisse gekriegt und hoffentlich sind die auch gut.

Ja! Und jetzt geht’s los in der Urlaub.

Ja, dieses Wochenende gibt’s bestimmt wieder Rekordstaus auf allen Autobahnen. Alle wollen weg, ein bisschen ausspannen.

Hoffentlich wird es auch eine Zeit zum Ausspannen. Irgendwie ist ja jetzt immer die Sorge dabei, dass irgendwas passieren könnte.

So unbeschwert wie sonst werden manche wohl nicht Urlaub machen. Das stimmt. Aber wir können es nur in Gottes Hand legen, was aus unserem Leben wird. Es hat doch auch keinen Sinn, sich jetzt zu Hause zu verstecken. Unser Leben ist immer in Gefahr, das wird uns nur durch die Anschläge wieder deutlicher vor Augen geführt.

Ich habe gelesen, es ist wahrscheinlicher, am eigenen Essen zu ersticken als bei einem Terroranschlag ums Leben zu kommen.

Ja, das könnte stimmen. Oder bei einem Autounfall. Der gefährlichste Teil des Urlaubs ist die An- und Abreise. Es kommt halt nur nicht jeder Autounfall und jedes verschluckte Essen in der Tagesschau.

Und was heißt das jetzt für die Urlaubszeit?

Vielleicht ist es gar nicht schlecht, wenn wir wirklich etwas wachsamer sind als sonst. Aber es hilft nichts, sich zu Hause zu verkriechen. Jesus hat gesagt: „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“. Für mich ist das schon etwas Beruhigendes, zu wissen: Gott hat mein Leben in der Hand. Ganz egal, was mir zustößt.

Also einfach fröhlich drauflosleben?

Ja. Vergnügt, erlöst, befreit. So heißts in einem Gedicht von Hanns Dieter Hüsch. Und ich glaube, daran sollte man auch die Christen erkennen: Dass sie fröhlich sind und nicht griesgrämig. Und dass sie zwar manchmal auch Angst haben, sich aber von der Angst nicht beherrschen lassen.

Wir wünschen Ihnen also eine fröhliche und unbeschwerte Urlaubszeit und Gottes Segen für alle Ihre Unternehmungen.

Natürlich auch für alle, die jetzt nicht in Urlaub fahren und weiter arbeiten. Genießen Sie den Sommer!

Wagenkirche: Komm heil an!

22.07.2016 - 14:06

Urlaub, Wagenkirche

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Du, Heiko, schau mal, was ich da Praktisches habe … (zeigt Handy mit aufgeklebtem Wischer auf der Rückseite)

Wow, das ist ja praktisch. Ein Handywischer, den man gleich am Handy befestigen kann. Da ist ja auch eine Figur mit drauf.

Ja, der Heilige Christophorus, der Schutzpatron der Reisenden. Und der Wunsch: Komm heil an!

Schön, ja, das wünschen wir uns jetzt besonders, wenn wir in den Urlaub fahren. Dass wir heil an unser Ziel kommen. 

Ja, und dass wir auch wieder heil zurück/nach Hause kommen. Dass uns nichts passieren möge: weder eine Panne, noch ein Unfall, noch sonst ein Unglück. Egal, ob wir mit dem Auto, dem Zug oder Flugzeug reisen. Dass uns Gott behüten möge auf allen unseren Wegen!

Da stimme ich dir zu. Denn leider ist man ja heutzutage nirgendwo mehr sicher. Wenn es kein Unfall ist, dann kann es passieren, dass man von einem religiösen Fanatiker angegriffen wird, wie es leider vor ein paar Tagen im Zug nach Würzburg passiert ist. 

Ja, das ist schon schlimm! Dass es diesmal Reisende getroffen hat, die einfach nur Urlaub machen wollten. 

Ich kann das überhaupt nicht begreifen, wie so etwas möglich ist. Da fehlen mir die Worte. 

Mir auch. Das hört irgendwie gar nicht mehr auf. Erst Nizza, jetzt auch noch der Anschlag in einem Regionalzug in unserer Nähe.  

Da sind wir als Kirche wirklich herausgefordert: dass wir unsere Stimme erheben und um Gottes Schutz und Hilfe bitten. 

Ja, das wollen wir auch am kommenden Sonntag tun: wir wollen im Gottesdienst in der Heilig-Geist-Kirche darum bitten, dass Gott uns und alle Reisenden schützt und wir und alle wohlbehalten durch die Urlaubszeit kommen. Nach dem Gottesdienst, der um 11 h beginnt, können Sie auch Fahrzeuge segnen lassen, wenn Sie diese rund um die Kirche abstellen. Herzliche Einladung dazu.

Und als Vorgeschmack gibt es heute schon ein paar Handywischer oder Aufkleber. 

→ Ein paar Handywischer in Folie bzw. Plaketten (Aufkleber) verteilen!! 

Wagenkirche: Wir beten für Nizza

15.07.2016 - 14:19

Gebet, Hoffnung, Terror, Tod, Trauer, Wagenkirche

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Sag mal Heiko, geht’s dir auch so: man geht jetzt wieder von einem Fest zum anderen? 

Ja, freilich, die Sommerpause naht schließlich. Und da sind halt nun mal viele Feste …

Genau: ihr habt eure Gemeindefeste, wir unsere Pfarrfeste und noch manch andere Feiern vor dem Urlaub.  

Ja, endlich bald Ferien und Urlaub. Den kann ich wieder mal gut gebrauchen!

Stimmt, mir geht’s da genauso. Doch leider sind gerade die Menschen jetzt in Frankreich bestimmt nicht mehr in Fest- oder Urlaubsstimmung

Warum? Wieso? Ja, natürlich: Du meinst bestimmt den Terror-Anschlag in Nizza von gestern Abend. 

Ja, genau. Dort in Nizza an der Strandpromenade ist ein völlig Verrückter einfach mit einem Lastwagen in die Menge von fröhlichen und feiernden Menschen hineingefahren und hat über 80 Menschen mit in den Tod gerissen. Und es gibt auch viele Schwerverletzte. 

Wahnsinn! Ich bin richtig geschockt. Und das schlimmste dabei ist: es sind viele Familien mit Kindern unter den Opfern. Die wollten den Nationalfeiertag Frankreichs einfach fröhlich feiern.

Jetzt wird der Ausnahmezustand im Land weiter verlängert und die Sicherheitsvorkehrungen werden wieder hochgeschraubt. Die Menschen haben doch irgendwie gehofft, dass die fürchterlichen Anschläge jetzt endlich vorbei sind, auch wenn es dafür ja nie eine Garantie gab – trotz der strengen Sicherheitsmaßnahmen. 

Nein, es gibt einfach keine endgültigen Sicherheiten im Leben. Es kann immer und überall etwas Schlimmes passieren.

Da hast du recht. Und auch wohl nie endgültig ein Ende des Leids und der Unglücksfälle auf dieser Welt. Ich finde, da sollten wir zumindest einmal innehalten, unseren gewohnten Gang unterbrechen und die Ohnmacht und Trauer miteinander teilen, die die Menschen nicht nur in Frankreich jetzt bewegt.

Ja, wir wollen einmal für eine Minute inne halten und für die Menschen beten, die beim Terrorakt in Nizza ums Leben gekommen sind, und für die Menschen, die um sie trauern.


Gott, du schenkst Leben und du nimmst es wieder zurück in deine Hand.

Fassungslos stehen wir da angesichts der Nachrichten. 

Wir können es nicht verstehen.

Wir suchen nach Sinn und finden nichts.

Gott, halte du die Toten und alle, die um sie trauern, in deiner Hand.

Gib den Helfern die Kraft, die sie benötigen.

Hilf, zu vergeben, wo Vergebung unmöglich erscheint.

Hilf uns, zu hoffen und zu vertrauen, dass deine Liebe stärker ist als der Tod.

Amen.

Wagenkirche: 100 Jahre Schule!

08.07.2016 - 14:08

Orientierung, Religionsunterricht, Wagenkirche

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Sag mal, Ulli, kannst du dich noch an deine Schulzeit erinnern?

Ja natürlich, ist doch klar! (…)

Und wie lang warst du in der Schule?

14 Jahre ...

Stell dir mal vor: 100 Jahre Schule.

Ach du meine Güte. Wie soll das denn gehen?

Geht natürlich gar nicht. Aber die Körnerschule feiert gerade 100jähriges Bestehen. Da gibt es vermutlich Kinder, deren Großeltern schon in diese Schule gegangen sind. Oder sogar die Urgroßeltern.

100 Jahre Schule – echt beeindruckend. Aber warum erzählst du mir das jetzt?

Weil ich halt auch Schulreferent des Evangelischen Dekanats bin. Und für den Reliunterricht zuständig.

Blöder Job, oder? Die meisten Schüler finden das doch gar nicht so wichtig. Reli. Da muss man nix lernen und kriegt trotzdem gute Noten.

Ja, das ist oft so. Dabei finde ich: Reli ist genau so wichtig wie Mathe. Nur auf andere Weise.

Jetzt bin ich aber gespannt, wie du DAS rüberbringen willst.

Na ja, ganz einfach. Mathe, Physik, Deutsch, das alles ist natürlich wichtig. Aber junge Menschen brauchen nicht nur Fakten, die sie lernen, sondern auch Orientierung. Werte. Für solche Sachen ist in Mathe kein Platz, aber in Religion. Wir versuchen sie auch zu stärken, ihnen zu vermitteln: „Ich bin gut so, wie ich bin!“

Ob das die Schüler auch so sehen?

Na ja, manche vielleicht nicht. Aber ich erlebe auch ganz viele Klassen, die sehr engagiert und interessiert dabei sind und die froh sind, über solche Dinge auch reden zu können.

Orientierung im Leben, die Frage nach den Werten, die uns wichtig sind: Das bräuchten wir vielleicht nicht nur in der Schule.

Ja, das stimmt. Darum geht’s doch genau so auch in unseren Gottesdiensten und vielen anderen Veranstaltungen.

Das wünschen wir Ihnen: Dass Sie wissen, wo Sie stehen. Dass Sie wissen: Ich bin etwas wert. Und dass Sie Orientierung haben in Ihrem Leben.

Wagenkirche: Nationalmannschaft der Kleriker

01.07.2016 - 14:25

Fußball, Wagenkirche

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U: Mensch, Heiko, jetzt wird’s aber richtig ernst für uns?

H: Wieso, richtig ernst für uns? 

U: Ne, alles fiebert doch morgen dem Spiel D gegen Italien entgegen. 

H: Ja, stimmt. Es scheint ja nur noch ein Thema zu geben: die Fußball-EM. Gestern Fußball, heute Fußball, und morgen dann eben D gegen Italien. 

U: Ja, und die Vorbereitungen laufen. Sogar die Frisur muss stimmen. 

H: Wie, die Frisur muss stimmen? 

U: Na ja, der Botang hat sogar seinen Friseur einfliegen lassen, damit der ihm nochmal den Scheitel richtet. Und dann hat er den Thomas Müller auch gleich noch mit geschert. 
 
H: Bin ja mal gespannt, ob die dann viel anders aussehen. Ja, ja, die können es sich leisten. Ist einfach alles nur eine Sache des Geldes. 

U: Ja, leider! Aber Spaß ist auch dabei. Aber zum Stichwort Geld und Spaß beim Fußball steht heute noch was ganz Kurioses in der Zeitung. 

H: Was denn?

U: Da gibt es nämlich eine „inoffizielle Deutsche Nationalmannschaft der Kleriker“. 

H: Wie – Pfarrer spielen auch Fußball?

U: Ja, doch. Am Sonntag ist in Kronungen ein Fußballspiel von Pfarrern und Diakonen aus ganz Bayern. Und die spielen gegen eine Auswahl Prominenter. Und was ich ganz toll finde: die haben schon rund 100 000 Euro für einen guten Zweck eingespielt. 

H: Also kann man mit Fußball auch wirklich Gutes tun. 

U: Auf jeden Fall. Und es gibt viele Fußballer, die nicht nur abergläubisch sind, sondern wirklich auch an Gott glauben. Der Boateng hat auch ein Tatoo von der Heilige Maria auf seinem Unterarm, habe ich gelesen.  

H: Gut, das ist zumindest eine Art, auch seine Überzeugung nach außen hin zu zeigen. Das finde ich gut. Wenn Menschen öffentlich machen, dass sie an Gott glauben und auch den Mut haben, das nach außen hin zu zeigen. 

U: Ja, so wie wir es auch ein Stück mit der Wagenkirche versuchen. Wir sind als Vertreter unserer Kirchen immer für Gespräche offen. Aber auch für Kritik, und da gibt es ja leider genug. 

H: Leider ja. Aber wir sind auch wie die Fußballer sportlich unterwegs, denn diese Wagenkirche ist ganz schön schwer zu ziehen. Alleine schafft man das gar nicht.

U: Stimmt. Aber wir machen es gerne und haben auch immer unseren Spaß dabei. 

H: So wünschen wir Ihnen, dass Sie gute Stimmung an diesem Wochenende haben, genießen Sie vor allem das Fußballspiel morgen.  

U: Und – falls Sie noch nicht genug haben vom Fußball, gehen Sie doch  zum Benefiz-Spiel nach Kronungen und schauen Sie live zu – und spenden Sie Ihren Eintritt für einen guten Zweck. 

Wagenkirche: Kirchen-Brexit

24.06.2016 - 14:35

Austritt, Europa, Wagenkirche

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Puh, was für Nachrichten heute früh. Großbritannien hat also tatsächlich für den Brexit gestimmt. Hoffentlich geht das alles gut.

Das wird noch ein ganz schönes Chaos geben in der nächsten Zeit, befürchte ich. Bis da alles geregelt ist …

Ja. Und ich muss gestehen: So ein bisschen Schadenfreude wäre bei mir auch dabei, wenn die Wirtschaft in dem Land wirklich darunter leidet, wie's die Experten vorhergesagt haben.

Aber das trifft doch dann wirklich wieder die Falschen. Die, die sowieso kaum genug zum Leben haben.

Stimmt, deshalb hoffe ich auch, dass die Experten falsch lagen.

Es ist schon ein bisschen wie in einer Familie, oder? Irgend jemand fühlt sich immer benachteiligt, es gibt Streit, und dann zieht einer aus.

Ja. Schade, dass sie gehen, die Briten. Aber wir werden sie wohl ziehen lassen müssen. Aber wir können ihnen immerhin noch gute Wünsche mit auf den Weg geben.

Großbritannien tritt aus der EU aus. Aber wir kennen das ja auch mit den Austritten. Bei uns treten ja auch immer mehr Leute aus der Kirche aus.

Ja, das stimmt. Und meistens sind da, ähnlich wie bei den Briten und der EU, schon jahrelange Unzufriedenheit und Ärger vorausgegangen. Und trotzdem schmerzt es. Jedenfalls uns. Und ich meine jetzt nicht wegen der Kirchensteuer, sondern weil wir es nicht geschafft haben, mit diesen Menschen in Kontakt zu bleiben.

Ja, das macht mich auch traurig. Bei Großbritannien haben ja alle gesagt: „Out is out“, raus ist raus, da gibt’s dann kein „oh, wir wollen doch gerne wieder dazukommen.“

Das allerdings ist bei Gott ganz anders. Und bei uns als Kirche auch. Jesus sagt: „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“. Ich glaube, das gilt für alle Menschen, ganz egal, ob sie in der Kirche sind oder nicht.

Ob Sie in der Kirche sind oder nicht – wir wünschen Ihnen, dass Sie heute spüren können, dass Gott da ist und Sie hält. Auch in turbulenten Zeiten wie diesen.

Wagenkirche: Fußball - Freude und Gemeinschaft stiften!

10.06.2016 - 15:21

Freude, Fußball, Gemeinschaft, Wagenkirche

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Ulli: Singt 54 74 … 

„Eins und zwei und drei und 54, 74, 90, 2010, ja so stimmen wir alle ein …“ 

Mensch, Ulli, was trällerst du da vor dich hin? Ach ja, Fußball!!!! Überall Fußball. Und unsere Wagenkirche ist auch schon dekoriert. 
Aber nochmal zurück zum Lied: das ist doch das Lied von der WM 2006. Gibt’s denn kein Lied für die Europameisterschaft 2016?

Also mir fällt keines ein. Aber heute Abend ist ja das Eröffnungsspiel der EM in Frankreich. Ach, da gab´s doch auch was: „Ohne Holland farh´n wir zur EM …“

Oh nein, musst du denn ausgerechnet Holland erwähnen?! Die sind ja leider nicht dabei. Aber ich bin doch insgeheim Holland-Fan (da studiert doch meine Tochter und ich fahre so gerne in Urlaub dahin). 

Na ja, ok, gestern sagte der Moderator im Radio, ohne den Holländer Robben hätten die Bayern auch manche Spiele nicht gewonnen. …Aber lassen wir das, jetzt sind wir erst mal in Frankreich. 

Ja, Frankreich, stimmt. Da war doch was. Die Anschläge von Paris … und jetzt sind schon wieder Streiks angekündigt, ausgerechnet jetzt, wo die EM dort stattfindet. 

Ja, das sind die Schattenseiten dieses Landes. Und auch die Schattenseiten unserer Gesellschaft. Aber Heiko, ganz ehrlich, wir lassen uns die Stimmung am Wochenende nicht verderben. Und Sie hoffentlich auch nicht. 

Nein, wir wollen den Fußball genießen … und feiern, mit unseren Familien und Freunden, egal wie weit Deutschland diesmal kommt. 

Stimmt! Das ist doch das, was zählt. Dass der Fußball Gemeinschaft stiftet und viele Nationen miteinander verbindet – in meist friedlicher Weise. 
Gemeinschaft stiften, gerne feiern. Ja, das ist ein Wort. Ähnlich hat es auch Jesus gemacht vor vielen Jahren, als es noch keinen Fußball gab. Auch ER hat Menschen um sich geschart und hat gerne gefeiert mit seinen Freunden … 

Und auch wenn es dann Sonntagabend spät wird nach dem ersten Deutschland -Spiel und für die meisten am Montagmorgen Schule oder Arbeit wieder rufen: wir wünschen Ihnen erst mal ein entspanntes und diesmal sicherlich sehr unterhaltsames und stimmungsvolles Wochenende. 
Genießen Sie es mit Ihrer Familie und Ihren Freunden! Lassen Sie sich anstecken von der guten Laune und dem Jubel über hoffentlich viele schöne Tore!

Predigt: Arbeiten mit dem richtigen Maß

09.05.2016 - 19:47

Arbeit, Dekan, Gemeinde, Liebe, Predigt, Wagenkirche

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Liebe Frau Orf, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Gäste, liebe Gemeinde!

Was predigt man denn bitteschön bei der Einführung zum stellvertretenden Dekan und zur Einführung der neuen Dekanats-Chefassistentin? An einem Montag. Wo alle am Sonntag schon den Predigttext von Exaudi durchgekaut haben. Ob die Kollegen den nochmal hören wollen? Ich hab sogar Frau Orf gefragt, ob sie nicht vielleicht die Predigt übernehmen will, aber sie meinte, die sie hat ja schon die Fürbitten.

Aber vielleicht ist es auch gar nicht so verkehrt. Viele, die heute hier sitzen, haben den Text noch im Ohr. Und ich finde, er passt richtig gut zu dem heutigen Anlass. Denn es geht hier im Epheserbrief genau um die Frage: Was tun wir eigentlich hier? Was ist das Wesentliche für uns? Wie füllen wir unsere Arbeit, was sind unsere Ziele? Und: Wie schaffen wir diese Arbeit, ohne an ihr zu zerbrechen, weil sie zu viel wird? 

Ich lese aus Eph 3, 14-21

Deshalb beuge ich meine Knie vor dem Vater, 15 der der rechte Vater ist über alles, was da Kinder heißt im Himmel und auf Erden, 16 dass er euch Kraft gebe nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, stark zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen, 17 dass Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne und ihr in der Liebe eingewurzelt und gegründet seid. 18 So könnt ihr mit allen Heiligen begreifen, welches die Breite und die Länge und die Höhe und die Tiefe ist, 19 auch die Liebe Christi erkennen, die alle Erkenntnis übertrifft, damit ihr erfüllt werdet mit der ganzen Gottesfülle. 20 Dem aber, der überschwenglich tun kann über alles hinaus, was wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die in uns wirkt, 21 dem sei Ehre in der Gemeinde und in Christus Jesus zu aller Zeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

Ja, ich weiß schon, was Sie jetzt denken. Das soll eine Handlungsanweisung für unsere Arbeit in der Gemeinde sein? Bei uns geht’s doch um ganz andere Sachen. Um Dinge, die messbar sind und auf der Hand liegen. Um Pfarrhaus-Quadratmeter und Grünflächen. Um Verwaltung und Organisation. Um Gebäudekonzepte und den Grünen Gockel. Um Gottesdienstgestaltung und Gruppen und Kreise in der Gemeinde. Um Dienstordnungen und Vernetzung. Um Beurteilungen und Krankheits- und Urlaubsvertretungen.

Kommt alles in unserem Predigttext nicht vor. Stattdessen steht da so was mir sehr Fremdes wie „Ich beuge meine Knie vor dem Vater“. Als Kind habe ich das ab und zu erlebt, auch im evangelischen Gottesdienst, in der Laurentiuskirche in Neuendettelsau. Knie beugen im Gottesdienst. Und es kam mir immer falsch vor: Unser Glaube ist doch nichts, was uns zu Boden drückt! Da predige ich doch lieber über so Stellen wie „Ich will dich aufrichten, stärken, gründen“. Glaube soll doch nichts Niederdrückendes sein, sondern etwas, das Mut macht, das den Blick nach vorne richtet und nicht nach unten.

Aber so ist es ja auch nicht gemeint. „Ich beuge meine Knie“, das ist kein Sich-selber-kleinmachen. Sondern das ist ein: Gott groß machen, und zwar im wahrsten Sinne unermesslich groß, nicht mit dem Metermaß messbar. Ich beuge meine Knie, das heißt: Ich erkenne an, dass Gott es ist, von dem alles kommt. Dass Gott es ist, der für uns die Grundlage von allem ist. 

Ich hatte vorhin gesagt, es geht hier genau um die Frage: Was tun wir eigentlich hier? Was ist das Wesentliche für uns? Wie füllen wir unsere Arbeit, was sind unsere Ziele?

Und da geht es eben doch gar nicht um Gebäude oder den Kindergarten. Sondern darum, dass am Anfang aller unserer Arbeit das steht: Ich beuge meine Knie vor dem Vater. Ich weiß darum, wo meine Kraft herkommt, meine Zuversicht. Und mein Auftrag als Pfarrer, Pfarrerin, aber genauso auch als Assistentin, Sekretärin, als ehrenamtliche Mitarbeitende in der Gemeinde. Überhaupt als Christin oder Christ: Ich beuge meine Knie vor dem Vater.

Es geht ja dann ganz schnell weiter: „dass er euch Kraft gebe“.  Die Arbeit in der Gemeinde, egal in welcher Position, kann ganz schön kräftezehrend sein. Und sie ist auch irgendwie nie völlig getan. Und oft ist sie auch ganz schlecht messbar. Der Schreiber des Epheserbriefs bittet für die Gemeinde in Ephesus, dass Gott ihnen Kraft gebe. Aber nicht einfach Kraft für noch mehr Aktionen und das nächste Missionsprojekt. Sondern: „stark zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen“. 

Ich weiß nicht so genau, was der Briefschreiber damals damit gemeint hat. Für mich übersetze ich es in etwa mit innerer Ausgeglichenheit und Ruhe, weil ich weiß: Der Grund, auf dem ich meine ganze Arbeit aufbaue, das ist Gott selbst. 

Das ist manchmal gar nicht so leicht. Wenn mein katholischer Kollege Ulli Göbel und ich mit der Wagenkirche durch Schweinfurt ziehen, werden wir immer wieder mal ziemlich angemacht. „Ihr Verbrecher! Ihr Diebe!“ und solche Sachen. Oder die in einem ruhigeren Tonfall vorgebrachte, eher intellektuellere Frage: „Wie können Sie dem Kriegsverbrecher Luther hinterherlaufen?“ - in Anspielung auf die Zeiten der Bauernkriege. Ich denke, Sie kennen ähnliche Situationen aus Ihrer jeweiligen Arbeit. „Stark werden durch den Geist an dem inwendigen Menschen“. Das heißt für mich: Innerlich gefestigt sein. Solche Angriffe aushalten können und ernst nehmen können und trotzdem fröhlich weiter die frohe Botschaft erzählen. Und: In der Liebe eingewurzelt und gegründet sein.

Das gilt nicht nur für den Umgang mit solchen Menschen, wie ich sie gerade beschrieben habe. Sondern das gilt auch für unseren Umgang untereinander. So sollen wir miteinander arbeiten: In der Liebe eingewurzelt und gegründet.

Natürlich, auch bei uns in der Kirche hakt's manchmal. Wir sind Menschen. Und wenn es nur ist, dass die Kollegin etwas völlig anders auffasst als ich es gemeint habe. Oder meine Arbeit eben nicht so zur Zufriedenheit des anderen ausfällt. Ein Beispiel aus meiner Arbeit als Schulreferent, aber Sie kennen das alle in irgend einer Form: Wenn es an der einen Schule nur drei Stunden Unterricht zu verteilen gibt und zwei verschiedene Personen möchten unbedingt da unterrichten, dann muss ich eine Entscheidung treffen und einen Menschen verärgern. Kann ja keine zusätzlichen Stunden herzaubern. Und trotzdem versuche ich, die beste Lösung für alle zu finden.

So sollen wir miteinander arbeiten: In der Liebe eingewurzelt und gegründet. 

Für mich ist das auch schon so etwas wie eine Dienstbeschreibung. Nicht von dem, WAS ich tue. Nicht das Messbare. Sondern WIE ich es tun soll. In der Liebe eingewurzelt und gegründet. So kann auch gute Zusammenarbeit funktionieren. Dem anderen erst mal vertrauen, dass er oder sie das schon gut machen wird. Darüber habe ich mich letzte Woche auch mit Frau Orf unterhalten: Wie tun wir unsere Arbeit? Was ist daran wichtig? Und da waren wir uns ziemlich einig: Selbständig die eigene Arbeit strukturieren zu können ist die Basis. Verantwortung fördern und fordern. Und gleichzeitig die gute Kommunikation: Im Gespräch bleiben. Sich gegenseitig unterstützen, wo es nötig ist. Lob äußern, aber auch konstruktive Kritik. Eben: In der Liebe eingewurzelt und gegründet sein.

So könnt ihr mit allen Heiligen begreifen, welches die Breite und die Länge und die Höhe und die Tiefe ist, schreibt der Epheserbrief weiter.
Ist mir ein ziemliches Rätsel, was er damit meint. Erster Gedanke: Jetzt kommt endlich das Metermaß ins Spiel. Jetzt wird’s richtig konkret. Unsere Kirche ist soundso viele Meter hoch und breit – aber nein, ich glaube, das interessiert den Briefschreiber überhaupt nicht. Vielleicht eher so: Unser Leben – und auch, wie wir mit anderen Menschen umgehen – hat viel mehr Dimensionen als das, was ich als Tätigkeit beschreiben und messen kann. Unsere Arbeit ist eben nicht nur: „Ich schreibe eine Mail“, sondern „ich schreibe eine freundliche – oder eine lustige oder auch zornige – Mail an einen Menschen, mit dem mich eine gemeinsame Geschichte verbindet“, und selbst das ist noch nicht alles an Höhe, Länge, Breite und Tiefe, was in diesem einen kleinen Ausschnitt aus meiner täglichen Arbeit enthalten ist.
So könnt ihr mit allen Heiligen begreifen, welches die Breite und die Länge und die Höhe und die Tiefe ist. 

„Tiefe“, das kennen wir, so nennen wir das manchmal, wenn wir sagen wollen: Eine Geschichte hat mehr zu bieten als das vordergründige Geschehen. Manchmal höre ich das sogar als eine Art Entschuldigung dafür, dass wir keine befriedigende Antwort haben auf die Frage, warum Gott so viel Leid in der Welt zulässt. „Ohne die Erfahrung des Leids hätte unser Leben ja gar keine Tiefe“. Ja, mag sogar stimmen.

Aber selbst das, die Tiefe, ist nur eine Dimension des Lebens. Bei Gott gibt es nicht nur Tiefe. Wenn wir vor ihm die Knie beugen und den Menschen um uns herum eingewurzelt in der Liebe begegnen, dann werden wir sie entdecken: Die vielen Dimensionen unserer Arbeit, unseres ganzen Lebens. Die Tiefe. Die Höhe. Die Breite. Die Länge. Und noch eine Dimension, die der Briefschreiber anführt: Die Liebe.

Dem aber, der überschwenglich tun kann über alles hinaus, was wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die in uns wirkt, 21 dem sei Ehre in der Gemeinde und in Christus Jesus zu aller Zeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.