Occupy Kirche!

Rosel Eckstein  / pixelio.deEurokrise, Weltwirtschaftskrise, der Kapitaliusmus am Ende. Das sind die Nachrichten dieser Tage. Ob es noch einmal gelingen wird, das alte System zu retten? Möglicherweise. Aber ob das wirklich gut ist?

Seit vielen Jahren weisen kompetente Kritiker darauf hin, welche Ungerechtigkeit unser derzeitiges Weltwirtschaftssystem hervorruft. Die einen wissen gar nicht mehr, wohin mit ihrem Geld. Die anderen müssen zusehen, wie ihre Kinder verhungern, und können nichts, gar nichts, daran ändern.

Endlich wird aus dem Protest eine weltweite Bewegung. Occupy Wall Street war der Anfang. Es mag sein, dass die Forderungen der Menschen, die da auf die Straße gehen, viel zu unorganisiert und viel zu unterschiedlich sind. Es mag sein, dass manche der Forderungen auch gar nichts bringen oder alles nur noch schlimmer machen. Aber es ist ein Zeichen: So wie bisher, so wollen wir nicht mehr weitermachen. Nicht das Kapital ist das Wichtigste, sondern der Mensch. Wo das Kapital an erster Stelle steht, wird der Mensch nur noch zu einem Produktions- und Kostenfaktor. Und der ist dann möglichst klein zu halten. Unmenschliche Arbeitsbedingungen sind doch dann die logische Folge.

Durch den andauernden Bürgerkrieg haben sich bereits über die letzten Jahre Notlager um Mogadishu gebildet. Hier kommen täglich neue Flüchtlinge hinzu, die hier auf Nahrung und Wasser hoffen. (Foto: Diakonie Katastrophenhilfe)Ich kann nicht verstehen, dass die US-amerikanischen Kirchen sich in dieser Sache so zurückhalten. Ja, sie engagieren sich bei der Armenspeisung und in vielen sozialen Feldern. Aber müsste man das Übel nicht viel mehr an den Wurzeln packen? Unsere bayerische Landeskirche beispielsweise sammelt Unterschriften für die Einführung einer Finanztransaktionssteuer – eine Forderung, für die Attac noch vor wenigen Jahren milde belächelt wurde.

Recht und Gerechtigkeit sollen strömen wie ein nie versiegender Bach. So fordern es die alttestamentlichen Propheten (Amos 5,24). Von beidem sind wir heute weit entfernt. Dass Menschen verhungern, ist keine Gerechtigkeit. Dass Menschen unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten müssen, damit wir billiges Fleisch und billige T-Shirts bekommen, auch nicht. Recht und Gerechtigkeit: Dafür müssen wir uns einsetzen. Und dafür bin ich der Occupy-Bewegung dankbar. Da sollen und müssen wir als Kirche an vorderster Front dabei sein. 

Comments

Daß im Moment ziemlich viel schief läuft, da sind sich wohl alle einig. Die Frage, die mich brennend interessiert, ist: Wie kann es besser werden? Tobin Tax schön und gut, ein Schritt. Wirksam aber nur - soweit ich das verstehe - gegen kurzfristige Spekulationen im Minuten oder vielleicht noch Stundenbereich. Gegen Staatspleiten helfen die nicht. Gegen Bankensterben auch nicht. Ich suche nach einem Gesamtentwurf, der neue Regeln für unser merkantiles Miteinander bringt, so daß die Auswüchse nicht ganz so schlimm sind, wie im aktuellen System (Marx hatte ja dummerweise nicht mit der Bosheit des Menschen gerechnet und bei Gesell bin ich mir ach nicht so sicher, ob das läuft).

Gleichzeitig ist meine Befürchtung, daß die Zeit im Moment sehr günstig ist für Menschen mit einfachen Antworten. nd ehrlich gesagt, grat mir davor ein wenig.