Video-Predigtslam: Die Sehnsucht bleibt

Text: Gen 2,15 Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.

Gepäckaufbewahrung am Hauptbahnhof. Gott kommt rein, eine Erde unterm Arm. „Können Sie die hier für mich aufbewahren?“ „Gibt Sperrgutzuschlag, aber bitte, hier Ihr Abholschein. Alpha-Omega 144.“

„Dass er ihn bebaute und bewahrte.“ So heißt’s in der Erzählung von der Schöpfung der Welt. Erst mal nur der Garten Eden, doch wir wissen ja alle, was dann kam. Apfel, Rausschmiss, Arbeit im Schweiße deines Angesichts.

Predigt zur Sennfelder Kirm: Liebe ist ... keine Kirchweih zu feiern

Eigentlich wollte ich Sie heute gleich am Anfang der Predigt ein bisschen ärgern. Ja, wirklich. Ich hatte mich schon so darauf gefreut. Wenn man schon mal als Gochsumer zur Sennfelder Kirm predigen darf. Ich hatte geplant, ein großes Lebkuchenherz mitzubringen mit der Aufschrift: „I love Gochsumer Kärm“. Tja, das kommt davon, wenn man einen Pfarrer aus Gochsheim am Kirchweihsonntag zum Gottesdienst einlädt. Dann bringt der so komische Sachen mit. 

Leider – oder zum Glück? Existiert das Lebkuchenherz gar nicht mehr. Ich hatte nur noch das hier im Angebot: Liebe ist … gerne zu kuscheln. OK, wenn man Kuschel heißt, ist das natürlich besonders lustig. 

Tja, das andere Lebkuchenherz kann ich ja leider dieses Jahr nicht nachkaufen. Denn der ganze Kirchweihbetrieb fällt aus.

Predigt: Was soll denn dieser Predigttext zur Taufe?

Nee, also das geht ja irgendwie gar nicht, dieser Text. Was soll der denn bitteschön am Taufsonntag? Hier geht‘s doch gar nicht um die Taufe. Hier geht‘s um den Bund Gottes mit Israel. Ehrlich, an manchen Stellen frage ich mich, was sich die Perikopenkommission so gedacht hat, als sie die neuen Predigttexte rausgesucht haben. Ich werd mich jetzt da mal beschweren. Kleinen Moment bitte. Ich ruf da jetzt mal an.

Hallo, ist da die Perikopenkommission? Hier ist Pfarrer Kuschel aus Schweinfurt. Ich stehe hier grade auf der Kanzel in St. Salvator. Ja, Frau Müller, hallo, entschuldigen Sie, dass ich Sie am Sonntagmorgen störe, aber ich frage mich wirklich, was Sie sich dabei gedacht haben, dass Sie den heutigen Predigttext auf den Tauferinnerungssonntag gelegt haben. OK, er ist eigentlich viel zu schade, um so ein Schattendasein zu führen wie bisher. Da war er am Israelsonntag einer von diesen sogenannten „weiteren Texten“. Aber zur Taufe? Entschuldigung, darum geht‘s doch hier gar nicht!

Ansprache beim MehrWegGottesdienst: Hoffnung für alle

Hoffnung für alle?
Was für ein Thema haben wir uns da rausgesucht. 
In irgend einer Sitzung Ende 2019 bei einer Tasse Glühwein.
Wir hatten ja keine Ahnung. 
Von Corona, von allem, was da kommt.
Hoffnung für alle.
Wie blauäugig von uns.
Wie traumtänzerisch.
Wie … naiv.

Ansprache beim MehrWegGottesdienst: Bitte lachen Sie jetzt!

Bitte lachen Sie jetzt!
Schon mal im Elferrat bei einer Sitzung gesessen, hinten auf der Bühne?
Da musst du lachen. 
Auch, wenn dir der Scherz gar nicht gefallen hat.
Da musst du Stimmung verbreiten.
Auch wenn‘s dir grade gar nicht gut geht.
Egal, the show must go on.
Und wenn du einen Witz total daneben findest, ganz egal. Klatschen und Lachen, was das Zeug hält.
Bitte lachen Sie jetzt!
Viele finden ja diese Fröhlichkeit im Fasching aufgesetzt.
Andere gehen da voll mit.
Und manche gehen mit und fühlen sich als Fremdkörper.

Predigt: Weihnachten ist der Eingang der anderen Seite

Weihnachten ist der Eingang der anderen Seite.

Also nicht: Der Eingang AUF der anderen Seite, sondern der Eingang DER anderen Seite.

Ich habe angefangen, darüber nachzudenken. Was heißt das: Die andere Seite? Ist da wer, da drüben irgendwo?
Die andere Seite der Macht, wird vielleicht der eine oder die andere jetzt denken, der neue StarWars-Film lässt grüßen. Und so ganz verkehrt ist das nicht. An so vielen Stellen in unserer Gesellschaft sind die Fronten verhärtet. Menschen stehen sich nahezu unversöhnlich gegenüber. Man braucht nur „Greta“ zu sagen, und schon geht‘s los. Ziemlich schnell wird da klar, wer auf der einen und wer auf der anderen Seite steht. Schwarz-weiß. Schattierungen dazwischen werden kaum noch wahrgenommen. Entweder bist du dafür oder dagegen, differenziert wird da nicht mehr. Auf allen Seiten. Aber:

Weihnachten ist der Eingang der anderen Seite.

Für mich habe ich diesen etwas rätselhaften Satz so weitergesponnen: Weihnachten, das heißt: Alle sind willkommen bei Gott. Auch die, denen ich unversöhnlich gegenüberstehe. Auch die, die mich regelmäßig zur Weißglut treiben. An Weihnachten, an der Krippe, kommen wir zusammen. Die Konflikte sollen schweigen. Die Streitgespräche verstummen. Denn Gott selbst stiftet Frieden zwischen uns.

Weihnachten ist der Eingang der anderen Seite. 

An der Krippe kommen wir zusammen. Menschen, die sich unversöhnlich gegenüberstehen, hören alle den Gesang der Engel: Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden!

Ansprache bei der Klima-Andacht am 29.11.2019: Gott ist die Schöpfung nicht egal!

Christus ist der Erstgeborene der ganzen Schöpfung … oh je, Ulli, was hast du da für einen Text für heute rausgesucht? Ob den die Leute hier verstehen?

Na ja, dafür sind wir ja da, Heiko. Lass uns doch mal schauen, was da drin steckt. Aber du hast recht: dahinter verbirgt sich eine ganze Schöpfungstheologie: Gott ist der Ursprung alles Seins, der ganzen Schöpfung und unserer Welt. Und Jesus ist sein Ebenbild.

Ja, und wir Menschen auch. Wir sollen es zumindest sein. 

Predigt beim MehrWegGottesdienst am 17.11.2019: Schwein sein?

Du musst ein Schwein sein!
Das lernen wir doch
von Kindesbeinen auf.
Du musst ein Schwein sein!
Lass dir nichts gefallen!
Du kommst zuerst!
Mach die anderen klein
und dich groß!
Klar, in Reli,
da lernen wir es anders.
Irgendwas von zweiter Backe.
Wir habens grade gehört.
Aber das ist doch nur 
lebensferner Unsinn.
Wer kein Schwein ist, kommt nicht weiter.
Ist ärmer.
Kriegt kein Haus, kein Auto, kein Boot.
Kommt nicht ganz hoch hinaus.
Hat nicht so viel Erfolg.
Armes Schwein.

Predigt zum Schulanfangsgottesdienst der Landwirtschaftsschule: Suchet der Stadt Bestes!

Liebe Landwirte!

Diese Gottesdienste gestalte ich nun seit ungefähr zehn Jahren – aber noch nie war ich so ratlos wie diesmal, was ich eigentlich sagen soll.

Herr Lang hat mir wie immer davon erzählt, wie Ihre Situation im Augenblick ist. Und diesmal hat er vor allem von dem Frust erzählt, den Ihre Arbeit gerade mit sich bringt. Davon, dass Sie dass Gefühl haben, in der öffentlichen Wahrnehmung mehr und mehr die Sündenböcke für alles zu werden. Morgen wollen Sie dagegen demonstrieren.
Und es stimmt ja auch: Sie sind nicht an allem Schuld. Sie können nichts für den gnadenlosen Preiskampf in der Lebensmittelbranche. Sie lernen hier in Ihrer Ausbildung sehr viel darüber, wie Sie einen Betrieb führen können. Auch darüber, wie Sie mit der Natur leben können. Sie sind diejenigen, die in Kreisläufen denken, die wissen, dass wir auch für die Zukunft denken müssen.

Doch auf der anderen Seite – ist es überhaupt eine andere Seite oder nicht vielmehr eigentlich die gleiche Seite? - stehen die, die nun endlich massive Maßnahmen zum Klimaschutz einfordern. Seit Jahrzehnten ist das mit dem Klimawandel bekannt, aber es hat sich kaum etwas getan. Nun sagt die Klimawissenschaft: In weniger als zehn Jahren müssen wir klimaneutral werden, sonst sind die Folgen voraussichtlich katastrophal. Und die ersten, die das merken werden und eigentlich jetzt schon merken, sind gerade wieder die Landwirte. 

Ansprache bei der Andacht zu Weltkindertag und Klimatag 20.9.19 11:55 St. Johannis Schweinfurt #allefürsKlima

Ja Ulli, das ist ja schön und gut, was wir da gerade gehört haben. Ein junger Mann hat alles verprasst und jetzt kehrt er wieder um. Aber was hat das denn bitteschön mit dem Tag heute zu tun? Da draußen spielen und feiern die Kinder den Weltkindertag, und die Jugendlichen und die Erwachsenen werden nachher auf der Demo Maßnahmen zum Klimaschutz fordern. Was soll denn da die Geschichte vom „verlorenen Sohn“?

Auf den ersten Blick hast du natürlich recht, Heiko. Aber ich glaube, in diesem jüngeren Sohn steckt eine ganze Menge davon drin, wie wir miteinander und mit der Welt umgehen.

Sorry, aber ich hab nicht das Geld meiner Eltern verprasst. Und die anderen Dinge jetzt auch nicht so wirklich.

Nein, das natürlich nicht. Aber dieser junge Mann zeigt uns doch ganz deutlich, wie wir gerne leben: Ohne Rücksicht auf das, was dann irgendwann mal kommt. Wir verbrauchen unsere Ressourcen und lassen es uns gut gehen. Der Sohn wusste bestimmt auch, dass sein Geld irgendwann mal zu Ende gehen wird – aber das war ihm erst mal egal. „Wird schon irgendwie weitergehen“, hat er sich vermutlich gedacht.