Ansprache beim MehrWegGottesdienst: Die Mischung machts.

MWG1705-PlakatA4-Web.jpgAnsprache beim MehrWegGottesdienst am 21.5.2017

Text: 1. Korinther 12, 12-28

Die Mischung machts? Was für ein Blödsinn, denke ich mir gerade, während ich diese Ansprache schreibe. Das funktioniert doch schon in den meisten Familien nicht. Jeder und jede ist ein bisschen anders, hat andere Vorlieben, andere Vorstellungen vom Leben – und schon knallts. Anstrengend ist das mit dieser Mischung. Können nicht einfach alle gleich sein? Alle immer einer Meinung, kein Streit, piep piep piep wir ham uns alle lieb. 

Na ja, irgendwie wäre es auch langweilig und eintönig. Erst in der Auseinandersetzung mit den Interessen der anderen wird‘s ja spannend in einer Familie, auf der Arbeit, auch in der Gemeinde. Wie Paulus es schreibt, als er die Gemeinde mit einem Körper vergleicht: Was für ein sonderbarer Leib wäre das, der nur ein Körperteil hätte!

OK, die Mischung machts. Schon verstanden. Aber könnte es nicht bitte manchmal ein weniger anstrengend sein mit dieser Mischung? Ständig müssen wir uns mit anderen Meinungen, anderen Lebensweisen, anderen Überzeugungen rumschlagen. 

Vielleicht ist es auch das, was Menschen bewegt, die „Ausländer raus!“ und ähnliches rufen. Die Angst vor der Auseinandersetzung. Die Sehnsucht nach einem ruhigen, bequemen Leben, in dem alles seinen Platz und seine Ordnung hat und alle irgendwie ähnlich ticken. Tja, das ist halt nicht so. Auch „die Deutschen“ ticken nicht alle gleich, wirklich nicht.

Die Mischung machts. Mir persönlich fällt es oft auch schwer, das zu akzeptieren. Vor allem auf Facebook. Und vor allem dann, wenn Menschen in Glaubensfragen Positionen vertreten, die ich so überhaupt nicht nachvollziehen kann. Ich habe überhaupt kein Problem damit, wenn Menschen in Glaubensfragen zu einer anderen Überzeugung kommen als ich. Aber es gibt da in manchen Facebook-Gruppen so eine Art, ich nenns mal: „christliche Pegida“, die alles niederschreien, was ihnen nicht in den Kram passt. Die Mischung machts? Na danke. Die wollen keine Mischung, und ich mit denen ehrlich gesagt auch nicht. Irgendwo hört‘s dann echt auf. Nämlich genau da, wo andere gar keine Mischung wollen, sondern fordern, dass alle genau so werden wie sie selber sind. Und wer da nicht reinpasst, wird ausgegrenzt, niedergebrüllt oder noch Schlimmeres. 

Ach, egal. Genug gejammert. Denn: Die Mischung machts! Ich weiß nicht, wie es Ihnen heute in unserer MehrWegPhase gegangen ist. Haben Sie neue Anregungen bekommen? Haben Sie sich ausgetauscht mit anderen über Ihren Glauben, Ihre Fragen, Ihre Zweifel, Ihre Gewissheiten? Wir haben versucht, den Raum dafür zu öffnen. Ist es gelungen? Das weiß ich natürlich noch nicht. Ich bin sehr gespannt auf die Zettel, die da an den Wänden hängen.

Aber so, wie wir es heute versucht haben: So stelle ich mir das vor, was der Apostel Paulus beschreibt. Den Leib Christi. Die Gemeinde. Viele Menschen, bunt gemischt. Alte, Junge, politisch eher linke und rechte, manche ziemlich schräge Vögel dabei. Und alle sind gemeinsam auf der Suche. Sie diskutieren miteinander. Sie beten miteinander. Sie singen zusammen. Und manchmal streiten sie auch richtig heftig, weil auch das dazugehört. Weil Mischen anstrengend ist und einen herausfordert. Weil man manchmal auch eine liebgewordene Position aufgeben muss.

Die Mischung machts. Eine absolute Wahrheit über Gott werden wir in diesem Leben nicht herausfinden. Wir können uns Gott nur annähern. Über unsere eigenen Erfahrungen und Gedanken und über die der Menschen um uns herum. Und natürlich über das, was die Bibel uns von ihm erzählt. Dazu gehört für mich übrigens auch, dass wir mit anderen Religionen im Gespräch bleiben. Nicht, um uns zu einer einzigen Religion zu mischen oder so was, wie es manche vielleicht befürchten. Sondern, um im Gespräch mit den anderen auch über die eigenen Überzeugungen klarer zu werden.

Die Mischung machts. Ja, das ist anstrengend. Aber es ist spannend, es ist wichtig, geradezu lebenswichtig: Dass wir uns gemeinsam auf die Suche machen nach Gott. Dass wir uns dabei aber in unserer Unterschiedlichkeit auch achten und annehmen. 

Und denke jetzt bloß keiner: „Ach, ich bin doch viel zu unbedeutend. Ich hab doch eh keine Ahnung von dem allen.“ Nein, jede und jeder hat einen Platz in diesem Leib Christi, so schreibt es Paulus. 

Ihr alle seid der eine Leib von Christus, und jeder Einzelne von euch gehört als ein Teil dazu. Jedem hat Gott seine ganz bestimmte Aufgabe in der Gemeinde zugeteilt. 

Dafür müssen wir manchmal natürlich auch eingetretene Wege verlassen. Neue Wege ausprobieren. Aufeinander zugehen. So, wie wir es heute getan haben.
Anstrengend ist das. Anstrengend und schön. Aber da, wo das geschieht: Da kann Gemeinde wachsen. Da, wo das geschieht: Da berühren sich Himmel und Erde. Die Mischung machts.

Amen.