Ich habe euch Leben und Tod vorgelegt, dass du das Leben erwählst.

Andacht im Dekanatsausschuss Schweinfurt, 28.9.2017
 

Ich habe euch Leben und Tod, Segen und Fluch vorgelegt, dass du das Leben erwählst.

5.Mose 30,19

Die Losung für den Wahlsonntag! Wie passend. Es scheint, als hätten doch etliche den Fluch gewählt.

Warum dringen wir mit unserer Botschaft nicht durch? Zumal diese Menschen ja gerade Angst vor einer Entchristlichung haben?

Wagenkirche: Heute gestreift

zum letzten Mal mit Günter Schmitt

Günter malt sich schwarze Streifen auf die Arme.

Mensch Günter, was treibst du denn da?

Ich schütze mich. Vor Vampirbremsen und Killerschnacken

Aber sonst bist du noch auf der Spur? Oder drehst du jetzt beim letzten Mal so richtig ab?

Nein, hast du nichts davon gehört, dass ein Streifenmuster auf der Haut vor Insektenstichen schützt. War in den letzten Tagen groß in der Presse. Manche Leute malen ihren Gaul als Zebra an. Es soll ein voller Erfolg sein.

Jesus nachfolgen? Ganz schön schwer ...

Liebe Gemeinde!

Ein ziemlich unangenehmer Predigttext ist das heute, finde ich. Sperrig. Unbequem. Da ist nicht viel von „Du bist geliebt“ und „frohe Botschaft“ zu spüren, was wir doch sonst so gerne hören und verkünden. Auch bei unserem Kurs „Christsein für (Neu-)Einsteiger“, den wir ja mit diesem Gottesdienst abschließen, war davon die Rede. Davon, dass unsere Botschaft eine Frohbotschaft und keine Drohbotschaft ist. Davon, dass es nicht um Regeln und deren Befolgung geht, sondern im Gegenteil: Um Befreiung!

Ein Apfel mit einer Mission?

Liebe Apple-Jünger, nicht böse sein. Ich weiß, dass euer Betriebssystem existiert, aber trotzdem nutze ich es nicht.

Ich beschäftige mich nun seit ziemlich genau 30 Jahren intensiv mit Computern. Habe auf dem C-64 in Maschinensprache und BASIC programmiert. Und dann meinen Amiga geliebt. Lange Zeit habe ich für die führende Amiga-Zeitschrift (amigaOS, später AMIGAplus) Artikel geschrieben, bis sie eingestellt wurde. Im Grunde bin ich immer noch Amiga-Fan. Was ich besonders an diesem System liebte, das war die große Offenheit und Konfigurierbarkeit. Und natürlich das Aminet, in dem es Programme für fast jeden Anlass gab und immer noch gibt.

Wagenkirche: Der Papst allein macht's nicht

Na Heiko, jetzt bist du platt. Die katholische Kirche will sich erneuern, indem der Papst in Ruhestand geht. Die Leute hier sagen ja, dass sie eigentlich gar keinen brauchen und wenn, dann einen moderneren. Was sagst du als Evangelischer dazu?

Naja, ob ein Rücktritt alles neu macht, wage ich zu bezweifeln. Da muss mehr passieren. Das ist ja, wie im Fußball. Der Trainer geht und alle glauben, es wird alles besser, aber die Spieler kicken genauso müde weiter wie bisher.

Du meinst also, dass es an den Katholiken selber liegt, dass sie momentan in vielen Dingen die Loserkarte gezogen haben?

Wagenkirche: Heilige Schriften

(heute im Gespräch unter anderem mit einer Muslimin, deren Beiträge wir so gut es ging in der Aufnahme verstärkt haben - die Nebengeräusche bitten wir zu entschuldigen!)

Mensch Heiko, was wollen wir heut verteilen. Ich hätte die Bibel, den Koran, den Talmud, die Kabbala und die Lehren des Budda anzubieten.

Sag mal, bist du jetzt unter die Salafisten gegangen.

Oder unter die Leute vom Gideonsbund. Die legen ja schon seit Jahren Bibeln in Krankenhäuser und Hotelzimmer.

Wagenkirche: Papst und Ökumene

 

Na, du hast im Moment auch Hochbetrieb, oder?

Das kannste laut sagen, Nacht der Offenen Kirchen, da ist ganz schön was zu organisieren hier.

Äh – ich meinte eigentlich: Du bist doch katholisch. Und der Papst ist da.

Ach so – na ja, so viel Zeit hab ich dafür eigentlich grade nicht. Mir ist wichtiger, was hier vor Ort passiert.

Papstbesuch: Ökumene gibt's woanders.

Eines meiner wichtigsten Anliegen ist die Ökumene. Nicht nur evangelisch-katholisch, sondern die Arbeit an der Verständigung zwischen den verschiedensten Konfessionen. Ich finde es ganz fantastisch, dass bei der Nacht der Offenen Kirchen nun auch die evangelisch-methodistische Kirche dabei ist, neben der doch ungleich größeren römisch-katholischen und meiner evangelisch-lutherischen. Und der Mensch, mit dem ich im Bereich meiner Citykirchenarbeit am engsten zusammenarbeite, ist mein direkter katholischer Kollege, Günter Schmitt. Jeden Freitag spielen wir zwei die ökumenischen Ochsen, spannen uns selbst vor unsere (ökumenisch finanzierte) Wagenkirche und ziehen sie schwitzend und schnaufend durch die Schweinfurter Innenstadt. Erzählen den Menschen von Gottes Zuwendung und Liebe. Diskutieren mit den Leuten. Da kommt es auch schon mal vor, dass ich als evangelischer Pfarrer eine katholische Position verteidige oder zumindest erkläre. Und andersrum. Theologisch sind wir sowieso ziemlich auf einer Wellenlänge: Wenn der eine eine Dialogpredigt entwirft, kann sich der andere da fast immer problemlos einfügen. So liebe ich Ökumene. So lebe ich sie schon immer.

unverhoffte Freundlichkeit und sinnlose Schönheit

In letzter Zeit werde ich auf Facebook immer öfter zu sehr seltsamen Aktionen eingeladen. „Lasst uns mal probieren, ob wir den Facebook-Server in die Knie zwingen können, wenn wir uns alle gleichzeitig anmelden“ (Ja klar, 2000 Anmeldungen sind natürlich ein großes Problem für einen Server, der 600 Millionen Benutzer verwaltet) Oder: „Lasst uns alle gleichzeitig bei McDonalds einen Burger bestellen, mal sehen, wie viele die schaffen“. Gut, da hat wenigstens McDonalds was davon. Die neueste: „Lasst uns alle an einem bestimmten Tag krank feiern, mal sehen, welche Auswirkungen das auf Deutschland hat“. Da sage ich jetzt mal lieber gar nichts dazu.

Was mich ärgert ist die Zielrichtung all dieser Aktionen. Irgendwie geht es immer darum, etwas kaputt zu machen. Zu stören. Zu sehen, wie viel Verwirrung oder Schaden wir anrichten können. Gut, macht nur, wenn ihr meint, dass es das wert ist. Aber warum dreht ihr die Sache nicht einfach um? Warum schließt ihr euch nicht zusammen, um zu sehen, wie wir die Welt ein bisschen schöner machen können?