Predigt beim Motorradgottesdienst: Bewegt und bewegend

Ansprache zu 50 Jahre Motorradgottesdienst: "Bewegt und bewegend" - Patrizia Sormani und Heiko Kuschel

P Trotz dieser Erlebnisse als Sozius, Sozia habe ich zunächst gedacht, wir - Du und ich - seien ungeeignet für diesen GD.

H: Du meinst, weil wir selbst keine Maschine mit viel PS haben? P: Uhm

H: das sehe ich etwas anders: alles, was Menschen innerlich bewegt, bringt sie auf die eine oder andere Art und Weise auch äußerlich in Bewegung. Wenn mich etwas interessiert, wenn ich für etwas brenne, gehe ich dahin, setzte ich mich dafür ein. Das Gefühl kennen auch wir!

P: Ja, stimmt – bin bei dir … Sag mal, die Apostelinnen haben sich auch – nach dem Tod Jesu - in Bewegung gesetzt, es war Ihnen ein brennendes Bedürfnis die Botschaft des Glaubens an Jesus weiterzugeben …Heiko, Du bist evangelisch, du weißt bestimmt, wo die richtige Stelle aus der Bibel ist 

H: Also, Motorräder gab’s in der Bibel noch nicht, soweit ich weiß. Aber es gibt viele Geschichten, die von Bewegung erzählen. Eine fällt mir da auf jeden Fall ein, die wird bei uns klassisch am Ostermontag erzählt. Denn das ist kurz nach der Auferstehung Jesu passiert

(Anfang mündlich zusammenfassen)

13Am selben Tag waren zwei Jünger unterwegs
zu dem Dorf Emmaus.
Es lag gut zehn Kilometer von Jerusalem entfernt.
14Sie unterhielten sich über alles,
was sie in den letzten Tagen erlebt hatten.
15Während sie noch redeten und hin und her überlegten,
kam Jesus selbst dazu und ging mit ihnen.
16Aber es war, als ob ihnen jemand die Augen zuhielt,
und sie erkannten ihn nicht.
17Er fragte sie:
»Worüber unterhaltet ihr euch auf eurem Weg?«
Da blieben sie traurig stehen.
18Einer von ihnen – er hieß Kleopas – antwortete:
»Du bist wohl der Einzige in Jerusalem, der nicht weiß,
was dort in diesen Tagen passiert ist?«
19Jesus fragte sie: »Was denn?«
Sie sagten zu ihm: »Das mit Jesus aus Nazaret!
Er war ein großer Prophet.
Das hat er durch sein Wirken und seine Worte
vor Gott und dem ganzen Volk gezeigt.
20Unsere führenden Priester
und die anderen Mitglieder des jüdischen Rates
ließen ihn zum Tod verurteilen und kreuzigen.
21Wir hatten doch gehofft,
dass er der erwartete Retter Israels ist.
Aber nun ist es schon drei Tage her,
seit das alles geschehen ist.
22Und dann haben uns einige Frauen,
die zu uns gehören, in Aufregung versetzt:
Sie waren frühmorgens am Grab.
23Aber sie konnten seinen Leichnam nicht finden.
Sie kamen zurück und berichteten:
›Wir haben Engel gesehen.
Die haben uns gesagt, dass Jesus lebt!‹
24Einige von uns sind sofort zum Grab gelaufen.
Sie fanden alles so vor, wie die Frauen gesagt haben –
aber Jesus selbst haben sie nicht gesehen.«
25Da sagte Jesus zu den beiden:
»Warum seid ihr so begriffsstutzig?
Warum fällt es euch so schwer zu glauben,
was die Propheten gesagt haben?
26Musste der Christus das nicht alles erleiden,
um in die Herrlichkeit seines Reiches zu gelangen?«
27Und Jesus erklärte ihnen,
was in der Heiligen Schrift über ihn gesagt wurde –
angefangen bei Mose bis hin zu allen Propheten.
28So erreichten sie das Dorf,
zu dem sie unterwegs waren.
Jesus tat so, als wollte er weiterziehen.
29Da drängten sie ihn: »Bleib doch bei uns!
Es ist fast Abend, und der Tag geht zu Ende!«
Er ging mit ihnen ins Haus und blieb dort.
30Später ließ er sich mit ihnen zum Essen nieder.
Er nahm das Brot, dankte Gott,
brach das Brot in Stücke und gab es ihnen.
31Da fiel es ihnen wie Schuppen von den Augen,
und sie erkannten ihn.
Im selben Augenblick verschwand er vor ihnen.
32Sie sagten zueinander:
»Brannte unser Herz nicht vor Begeisterung,
als er unterwegs mit uns redete
und uns die Heilige Schrift erklärte?«

Ich finde das einen ganz faszinierenden Text, gerade auch für uns heute an diesem Jubiläumstag. Da machen sich zwei auf den Weg. Sie haben keine Ahnung, was auf sie zukommt. Ein bisschen wie Roland, der damals vor 50 Jahren sicher nicht geahnt hätte, wie groß und bewegend das alles hier mal werden würde.

Und dann ist da einer dabei. Aber die beiden Jünger erkennen ihn nicht. Den ganzen Weg geht er mit ihnen – und erst im Rückblick merken sie: Wir waren wirklich nicht allein!

„Brannte unser Herz nicht vor Begeisterung, als er unterwegs mit uns redete?“, so sagen sie.

Wenn wir auf diese 50 Jahre Motorradgottesdienst zurückschauen, dann sind da bestimmt viele Momente wo unser Herz in uns brannte vor Begeisterung. Wo uns vieles bewegt hat. 

Und die Wege, die ihr, die wir zurückgelegt haben. Auf dem Motorrad oder mit anderen Verkehrsmitteln oder zu Fuß. Da waren bestimmt viele, viele auch schwere Momente dabei. Abschiede. Unfälle. Sackgassen im Leben. So, wie auch die zwei Jünger auf dem Weg nach Emmaus ohne Hoffnung waren. Die Botschaft, dass die Frauen das Grab leer gefunden hatten, hatte sie eher verwirrt.

Manchmal gehst du einen Weg ohne Mut, ohne Hoffnung, ohne Zuversicht. Oder du fängst einen Weg an und weißt gar nicht, was daraus werden soll, wo das hinführt. Ein bisschen wie eine Motorrad-Tour einfach ins Blaue hinein, mal sehen, wohin die Straßen mich führen werden. Und erst im Rückblick erkennst du: Da war ich gar nicht allein! „Brannte unser Herz nicht vor Begeisterung?“ Und umso mehr bewegt dich dann im Rückblick, was du da erlebt hast.

Damals hat sich das Christentum dann durch diese Begeisterung ausgebreitet. Weil Menschen diese Begeisterung im Herzen brennen hatten. Weil die Liebe für sie das ausschlaggebende war und sie bewegt hat. Ich weiß, in 2000 Jahren Kirchengeschichte gab’s da viel zu viele, die unseren Glauben für Macht und Unterdrückung missbraucht haben. Das vergesse ich sicher nicht. Aber hier und heute will ich mal darauf schauen: Die Botschaft der Liebe, der Freiheit, der Begeisterung: Das hat sich weiter ausgebreitet! „Brannte unser Herz nicht vor Begeisterung?“ In die ganze Welt haben sich Menschen aufgemacht, um davon zu erzählen. Zu Fuß. Auf Eselsrücken. Mit dem Schiff. Später mit Bahn, Auto, Fahrrad, auch mit dem Motorrad. Jesus lebt, und er ist dabei – diese Botschaft hat sie alle bewegt, und heute auch uns.

P: Interessanterweise passt das, was du gesagt hast, auch zur Bikerbewegung:

Zunächst kultureller Schock für die bürgerl. Gesellschaft in den 60/ 70er Jahren- Biker als Verkörperung der Rebellion – das Gegenteil des angepassten Lebens in der Nachkriegszeit – Lederjacke!!!

Medien und Öffentlichkeit sahen in den Rockern eher Kriminelle, das änderte sich mit der Zeit wandelte sich der Schock in Faszination, Verständnis für diesen Wunsch nach Freiheit und die Mode übernahm viele Elemente. Die männlich geprägte Szene lässt mittlerweile auch Frauen als Sozius zu… Oder? (In die Menge)

H: Dann sind wir gar nicht so ungeeignet für diesen JubelGottesdienst …

Lied: Und darum jubel ich dir zu