Texte der Klänge in der Nacht am 27.2.2026

Mose

Mose an der Kanzel

Ich bin Mose. Vor 332 Jahren stellte man mich unter diese Kanzel. Als ein Zeichen für die Menschen: Die Predigten hier, sie stehen auf dem Grund der Zehn Gebote. Die Predigten, die hier gehalten werden, sie fußen auf dem Alten Testament. Ihr habt gemeinsame Wurzeln mit dem Judentum. Manchmal, in eurer Geschichte, da wäre es gut gewesen, ihr hättet auf dieses Zeichen geachtet. Und auch heute wieder solltet ihr dieses Zeichen niemals vergessen.

Ich bin Mose. Seit 332 Jahren stehe ich hier. Jeden Tag, seit Jahrhunderten, höre ich, was in der Welt geschieht. Und was ich höre, macht mein Herz schwer.

All die Kriege. Die Toten. Die Vertriebenen.

Die Bomben, Raketen und Drohnen, die Tod und Vernichtung bringen.

Die Menschen, die fliehen und auf der Flucht sterben.

Aber das ist noch lange nicht alles.

Ich sehe, wir ihr euch beschimpft und verachtet.

Wie ihr über Menschen redet, die anders sind als ihr.

Wie ihr verächtlich über sie sprecht und alle über einen Kamm schert.

Wie ihr die ganze Welt weiter zerstört, als ginge euch die Zukunft eurer Kinder nichts an.

Seit 332 Jahren stehe ich hier.

Und heute frage ich mich, ob ich in ein paar Jahrzehnten wohl noch hier sein werde.

Gibt es noch Hoffnung?

Gibt es eine Zukunft für die Menschen auf dieser Welt?

Die Stadt Gottes – Psalm 79

Hanns-Dieter Hüsch

Nichts da

Frank Greubel, dennoch, S. 75

Lied: Es muss doch

Grabmal Brunner

Grabinschrift

Anno Domini 1581 auf Mittwoch, den 20. September best und hochgelehrt Herr Georg Brunner der Rechten doktor und dieser Statt Rathgeb und Advocat. Dem Gott genade: Amen.

Dr. Georg Brunner

Dr. Georg Brunner ist mein Name. Bald jährt sich mein Geburtstag zum 495. Mal. Ich war weit gereist und an vielen Orten tätig, doch meine letzten Jahre verbrachte ich in Schweinfurt.

Geboren wurde ich in Eger. Als die Pest ausbrach, schickten mich meine Eltern fort – ich kam nach Nürnberg, später zum Studium nach Leipzig und Wittenberg, dann weiter nach Ingolstadt, Tübingen und Padua, wo ich den Doktorgrad erwarb. Ich arbeitete am Reichskammergericht in Speyer und lernte dort meine Frau Anna kennen, meine große Freude.

1572 folgte ich dem Ruf nach Schweinfurt. Als Rechtskonsulent der Reichsstadt und auch für die Grafschaft Castell war ich tätig. Mein Wahlspruch lautete: „In Stillesein und Hoffen“. Christus war meine Hoffnung. Vor ihm wusste ich mich verantwortlich.

Man sagte über mich, ich sei nicht nur kundig im Recht, sondern auch ein Mann von Charakter und Glauben. Besonders lag mir am Herzen, für die zu sprechen, die keine Stimme haben. Für Witwen, Waisen, die Schwachen. Denn dazu ruft uns Christus: für die Armen da zu sein.

Mit 50 Jahren starb ich. Mein Grab ist verloren gegangen. Diese Platte fand man 1989 im Boden der Kirche – ohne Grab darunter.

Nun hängt sie hier neben dem Ausgang. Möge sie euch erinnern, wenn ihr hinausgeht in die Welt: Recht soll allen gelten. Und für die Schwachen müssen wir den Mund auftun – damit sie Gerechtigkeit erfahren.

5. Mose 10

17 Denn der Herr, euer Gott, ist der Gott aller Götter und der Herr über alle Herren, der große Gott, der Mächtige und der Schreckliche, der die Person nicht ansieht und kein Geschenk nimmt

18 und schafft Recht den Waisen und Witwen und hat die Fremdlinge lieb, dass er ihnen Speise und Kleider gibt.

19 Darum sollt ihr auch die Fremdlinge lieben; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland.

20 Den Herrn, deinen Gott, sollst du fürchten, ihm sollst du dienen, ihm sollst du anhangen und bei seinem Namen schwören.

21 Er ist dein Ruhm, und er ist dein Gott.

Was mein Glaube sein soll

Mir ist es bisher wegen
angeborener Bosheit und Schwachheit
unmöglich gewesen,
den Forderungen Gottes zu genügen.

Wenn ich nicht glauben darf,
dass Gott mir um Christi willen
dies täglich beweinte Zurückbleiben vergebe,
so ist's aus mit mir.
Ich muss verzweifeln.
Aber das lass ich bleiben.

Wie Judas an den Baum mich hängen,
das tu ich nicht.
Ich hänge mich an den Hals
oder Fuß Christi wie die Sünderin.
Ob ich auch noch schlechter bin als diese,
ich halte meinen Herrn fest.

Dann spricht er zum Vater:
Dieses Anhängsel muss auch durch.
Es hat zwar nichts gehalten
und alle deine Gebote übertreten.

Vater, aber er hängt sich an mich.
Was will's! Ich starb für ihn.
Lass ihn durchschlupfen.

Das soll mein Glaube sein.

Martin Luther

zu viel verlangt

Recht und Gerechtigkeit, das willst du, Jesus.

Das wollten schon die alten Propheten.

Allen Menschen soll geholfen werden.

Alle, alle soll ich lieben.

Ja auch ... du weißt schon, wen ich meine.

Jesus, ich kann das nicht.

Nicht immer.

Es gibt Menschen, die verstehe ich nicht.

Menschen, die mich tief verletzt haben.

Menschen, die mir Angst machen.

„Liebe deine Feinde“, das sagst du so, Jesus.

Manchmal schaffe ich es

ein kleines bisschen

jemanden zu lieben

jemandem freundlich entgegenzukommen

jemandem zu helfen.

Und ich spüre: die Welt wird ein bisschen heller.

Ein bisschen gerechter.

Ein bisschen menschlicher.

Alles das, Jesus, wo ich versage,

das lege ich in deine Hand.

In dir allein finde ich Hoffnung.

Du bist mein Licht, meine Stärke, mein Lied.

Lied: In Christ alone

Gewölbe

Gewölbe

Ein vertrauter Anblick für uns: dieses Gewölbe. Wir kennen große Kirchen. Doch als diese Kirche entstand, war sie ein Wagnis. Ein Wunder.

Aus der Romanik war man gedrungene, dunkle Gebäude gewohnt, mit runden Bögen und kleinen Fenstern. Schutz vor dem Bösen.

Und nun: himmelstrebende Säulen. Ein Dach in schwindelnder Höhe. Fenster voller Licht. Spitzen statt Rundbögen. Verspielte Verzierungen. Keine Säule gleicht der anderen. Keine Schwere mehr, sondern Weite. Ein Vorgeschmack des Himmels. Verbindung von Himmel und Erde.

Der Blick hebt sich. Weite. Größe. Erhabenheit. Ein Haus Gottes – Abbild unseres Glaubens. Jesus macht unsere Herzen weit. Unser Gebet steigt auf.

Und doch bleiben wir hier unten. Am Boden. Sind wir nicht schon Bürger des Himmels? Gehören wir nicht durch die Taufe zu Gottes Haus?

Dort ist unsere Heimat. Auf Erden sind wir zu Gast. Unterwegs zu jener Stadt, zu der viele uns vorausgegangen sind.

Himmelstrebende Säulen – so soll auch unser Leben sein: aufgerichtet zum Himmel und doch fest verbunden mit der Erde, liebevoll zugewandt allem, was hier lebt.

Doch am Ende meines Lebens richtet sich der Blick – nach oben.
Ich bin unterwegs. Zu dir, Gott. Zu jener Stadt, wo weder Schmerz noch Leid sein werden, wo alle Not ein Ende hat.

Das neue Jerusalem

1 Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr.

2 Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann.

3 Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein;

4 und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.

5 Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu!

Offenbarung 21, 1-5

Vorläufig

Frank Greubel

Lied: Ich bin ja nur ein Gast auf Erden

Bischof Kilian

Bischof Kilian

Hier stehe ich, in dieser evangelischen Kirche.

Ein Bischof aus alter Zeit.

Manche vermuten, ich sei der Frankenapostel, Kilian.

Einiges deutet darauf hin.

Seht ihr meine rechte Hand? Sie ist geöffnet, vermutlich hielt sie früher einen Gegenstand.

Vielleicht das Schwert, mit dem ich, Kilian, oft dargestellt werde, denn mit dem Schwert wurde ich getötet.

Ich war doch nur ein einfacher Wandermissionar.

Dass ihr nach weit über tausend Jahren noch meinen Namen kennen würdet, das wäre mir nie in den Sinn gekommen.

686 nach Christus war es wohl, da kam ich mit meinen Gefährten Kolonat und Totnan aus Irland hierher in diese Gegend, nach Würzburg.

Wir predigten von der Liebe Gottes. Davon, dass sie allen Menschen gilt. Wir gaben weiter, was wir selbst glaubten.

Es scheint, dass es uns gelungen ist, zumindest zum Teil.

Dabei hatten wir so wenig Zeit.

Denn schon nach etwa drei Jahren wurden wir hingerichtet, weil unsere Botschaften manchen Mächtigen nicht passten. Über 1300 Jahre ist das her.

Immer waren wir unterwegs. Unterwegs zu den Menschen. Unterwegs zu Gott. Unterwegs – in die Ewigkeit.

Nach diesem Ort sehnte ich mich. Wo alles Leid ein Ende hat. Ich weiß: Meine Seele lebt ewig. Bei ihm.

Dort werden wir uns begegnen, das glaube ich fest.

Bis dahin – seid gesegnet.

Das Leben ist ...

Das Leben ist nicht ein Frommsein, sondern ein Frommwerden,

nicht eine Gesundheit, sondern ein Gesundwerden,

nicht ein Sein, sondern ein Werden,

nicht eine Ruhe, sondern eine Übung.

Wir sind’s noch nicht, wir werden’s aber.

Es ist noch nicht getan oder geschehen,

es ist aber im Gang und im Schwang.

Es ist nicht das Ende, es ist aber der Weg.

Es glüht und glänzt noch nicht alles,

es reinigt sich aber alles.

Martin Luther

Lied: Ewigkeit

Der Tod

Der Tod

Da bin ich wieder.

Der Tod.

Ungesehener Gast.

Ihr redet von Ewigkeit,

von Leben,

von Freude.

Doch ich, ich bin es, der am Ende steht.

Habt ihr noch im Ohr, was der hochwohlgeborene Dr. Georg Brunner sagte?

An einem Stein ist er gestorben.

Mit 50 Jahren. Ach.

Und dieser Kilian?

49.

Und du?

Zu dir komme ich auch noch, ja.

Sei bereit.

Stell dir vor, ich komme heute noch – oder morgen.

Was wäre dein Leben gewesen?

Hast du dein Leben gelebt?

Hast du Gutes bewirkt?

Werden sich die Menschen gern an dich erinnern?

Muss ja nicht in 500 oder 1000 Jahren sein.

Aber wie werden sie von dir reden,

wenn du einst nicht mehr bist?

Wirst du einen Eindruck hinterlassen haben?

Und wenn du auf dich selbst siehst:

Wirst du deine Träume verwirklicht haben?

Was bleibt, was bleibt von dir?

Ich bin der Tod.

Sei bereit.

Ich komme.

Irgendwann.

Das Kind in mir

Wilhelm Willms, alle Nächte werden hell, S. 16

Freundschaft

Marlies Blauth

Lied: Lied: Du Herr über die Zeit

Jesu Tod

45Von der sechsten Stunde an kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde. 46Und um die neunte Stunde schrie Jesus laut: Eli, Eli, lama asabtani? Das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

47Einige aber, die da standen, als sie das hörten, sprachen sie: Der ruft nach Elia. 48Und sogleich lief einer von ihnen, nahm einen Schwamm und füllte ihn mit Essig und steckte ihn auf ein Rohr und gab ihm zu trinken. 49Die andern aber sprachen: Halt, lasst uns sehen, ob Elia komme und ihm helfe! 50Aber Jesus schrie abermals laut und verschied.

Matthäus 27, 45-50

Lied: Flöte: O Haupt voll Blut und Wunden

Auferstehung

Der Sieg über den Tod

Der Apostel Paulus schreibt:

»Der Tod ist vernichtet!

Der Sieg ist vollkommen!

55Tod, wo ist dein Sieg?

Tod, wo ist dein Stachel?«

56Der Stachel des Todes ist die Sünde.

Aber die Sünde erhält ihre Macht erst durch das Gesetz.

57Dank sei Gott!

Denn er schenkt uns den Sieg

durch unseren Herrn Jesus Christus.

1. Korinther 15, 54-57 (BasisBibel)

Drei Tage

Fast tust du mir Leid, Tod.

Nur drei Tage

und du warst am Ende.

Du, der mächtige,

du hast alles verloren.

Tod, wo ist dein Sieg?

Tod, wo ist dein Stachel?

Du bist

nur noch

ein Übergang.

Du bist

nur noch

die Pforte

auf unserm Weg – zu Gott.

Die Morgenvögel

Gerhard Schöne 1976

Vaterunser

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Ostersegen

Und nun geht. Geht mit Gottes Segen. 
Geht in euer Leben, voller Kraft.
Liebt und streitet, lacht und weint, 
lebt jeden Tag voll großer Leidenschaft.

Also geht. Gehet eure Wege. 
Füllt die Tage, die er euch geschenkt.
Nutzt eure Gaben, bringt die Welt zum Blühen! 
Denn alles kommt von dem, der Erd und Himmel lenkt.

Und nun geht. Das Leben ist voll Wunder.
Und selbst der Tod ist nunmehr nur ein kleines Tor.
Aus allem Dunkel, allen Trauerfalten
spitzt heut das Licht von Gottes Liebe vor.

Lied: Abendlied