Wort in der Mitte bei der Vesperkirche: Christsein-Üben in der Vesperkirche

Wort in der Mitte bei der Vesperkirche Schweinfurt am 27.1.2026

Liebe Vesperkirchengäste, liebe Gastgeberinnen und Gastgeber!

Wer von Ihnen hat’s gestern in die Vesperkirche geschafft?

Und wer ist sicherheitshalber zu Hause geblieben?

Ich hoffe, Sie sind alle gut durch den Schneetag gekommen.

Ich musste gestern tatsächlich ein kurzes Stück mit dem Auto fahren. Gekommen bin ich ungefähr zwei Meter. Dann stand das Auto quer über der Straße, hing in den Spurrillen fest und es ging nicht mehr vor und nicht zurück.

Wie gut, dass die Nachbarn gleich kamen und mitgeholfen haben. 20 Minuten haben sie geschoben, irgendwann ging’s dann wieder. Puh. Miteinander haben wir’s geschafft.

Miteinander: Das steht ja auch bei unserer Vesperkirche ganz oben. Wenn eine einzige Person die Idee gehabt hätte: Ich mach das jetzt – keine Chance. Ein großes Team war da nötig. Und die Zusammenarbeit von Diakonie und Kirche. Und dann: Sie, die Gastgebenden. Wenn Sie nicht miteinander hier arbeiten würden, dann wäre die ganze Vesperkirche nicht möglich.

Aber auch ohne Sie, die Gäste, wäre das hier eine ziemlich langweilige Veranstaltung. Wenn Sie nicht da wären, wenn Sie sich nicht auf dieses kleine Abenteuer einlassen würden, dass Sie immer wieder neu mit fremden Menschen am Tisch sitzen und vielleicht ein bisschen ins Gespräch kommen – das wäre alles nichts. Das wäre wie mein Auto, kann im Prinzip gut fahren, aber kommt nicht vom Fleck ohne fremde Hilfe.

Miteinander für Leib und Seele, so lautet das Motto der Vesperkirche. Wir sind hier miteinander unterwegs. Alle sind willkommen.

Unser Landesbischof Christian Kopp hat das am Sonntag so ausgedrückt:

Vor Gott gilt: Zwischen Menschen gibt es keinerlei Unterschiede!

Ja gut. Wir Menschen, wir machen dann schon mal Unterschiede. Manche sind uns sympathisch, mit anderen können wir gar nichts anfangen.

Aber dabei dürfen wir nicht vergessen: Vor Gott sind wir alle gleich. Gott liebt uns alle.

Im Galaterbrief schreibt Paulus einen Satz:

Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus. 

Heute würde er vielleicht so schreiben: „Hier zählt nicht, woher du kommst oder wie du heißt. Hier zählt nicht, was du hast oder was dir fehlt. Hier zählt nicht, wie du lebst oder wen du liebst. Denn ihr seid eins in Christus Jesus.“

Das, glaube ich, ist die größte Herausforderung unseres Glaubens. Zu erkennen: Gott liebt alle Menschen. Auch die, die ich gar nicht mag. Auch die, die mir total fremd sind oder vielleicht sogar unsympathisch.

Aber wenn wir Christ:innen weltweit uns wirklich daran halten würden – ich glaube, dann wäre die Welt ein viel besserer Ort.

Hier in der Vesperkirche, da können wir das schon mal üben. Schauen Sie sich doch mal um, wer heute gemeinsam mit Ihnen hier ist. Und denken Sie sich: „Geliebt von Gott. Geliebt von Gott. Geliebt von Gott.“

Also – auf geht’s zum Christsein üben. Eine schöne Vesperkirche und weiter guten Appetit!


Foto: Manfred Geiling