Predigt beim Motorradgottesdienst: Bodenhaltung
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Patrizia, schau mal, ich hab mal eine Übersicht mitgebracht, was wir schon so alles an Themen hatten. Beziehungsweise ich, du warst ja nicht bei allen dabei.
(wechselweise vorlesen, irgendwann liest P „Bodenhaltung“)
H: Ähm, das heißt aber Bodenhaftung.
P: Ach, jetzt wo du’s sagst ... ja stimmt.
H Wir sind doch keine Hühner!
P Ja, da hast du Recht! Aber eigentlich ... ist „Bodenhaltung“ gar nicht so schlecht als Thema. Was meinst du?
H Stimmt. Haltung bewahren. Auf dem Boden bleiben.
P Und jetzt im Winter ist für die Motorräder sozusagen auch Bodenhaltung angesagt.
H Ja, die bleiben im Stall. Wie die Hühner.
P Also, auch wenn das nur verlesen war: Bodenhaltung finde ich ein ziemlich spannendes Thema!
H Jetzt ernsthaft: So ungefähr hat unsere gemeinsame Vorbereitung zu diesem Gottesdienst wirklich angefangen. Und bei dem Thema sind wir einfach hängen geblieben. Drum machen wir heute – Bodenhaltung!
P: Angesichts des Themas „Bodenhaltung“ habe ich spontan einen Stein mitgenommen (zeige den Stein) Ich dachte, noch mehr Erde als versteinerte, komprimierte - also als in einem Stein geht gar nicht…
H: schmeißt den Stein senkrecht auf den Boden. Der ist noch schneller am Boden als wir es wären!
P: Wow! Ja, der ist jetzt am Boden, aber du hast Bodenhaltung gesagt, wie soll man sich das vorstellen?? Soll ich mich auf den Boden setzen?
H: Bodenhaltung. Manchmal bist du einfach am Boden zerstört. Oder etwas wirft dich um. Es gibt so viele Sorgen, so viele schlechte Nachrichten, jeden Tag was neues. Steigende Preise, Rentenreform, Klimawandel, Kriege, Migration, Veränderung, eine Krankheit, ach ich hör schon auf.
Und dann sollen wir noch Haltung bewahren? Also ehrlich, es gibt Tage, da würde ich eigentlich auch lieber zusammenbrechen.
(Wie geht es euch? Was drückt euch zu Boden? Was macht euch Sorgen? Wo versucht ihr, Haltung zu zeigen, auch wenn’s manchmal nicht leicht ist?
Ich lade euch ein: Sucht euch einen Gesprächspartner oder auch zwei. Erzählt euch, was euch zu Boden drückt – und wo ihr versucht, Haltung zu bewahren.)
P: (stellt Salz zur Kerze): Jesus war anscheinend auch sehr bodenständig: Er spricht vom Salz und Licht der Welt- Salz und Licht, grundlegende Dinge auf der Erde und wichtig beim Fahren/ Unterwegssein in der dunklen Jahreszeit:
Salz gegen Glatteis sorgt dafür, dass man am Boden bleibt und die Scheinwerfer, sowie die Straßenbeleuchtung für Orientierung, Sicht.
H: Ja richtig! finde ich gut, auch wenn es damals keine Kraftfahrzeuge gab …, lass uns doch mal hören, was Jesus selbst gesagt hat: (Mt 5, 13-16 BasisBibel)
13»Ihr seid das Salz der Erde:
Aber wenn das Salz nicht mehr salzt,
wie kann es wieder salzig werden?
Es ist nutzlos! Also wird es weggeworfen
und von den Menschen zertreten.
14Ihr seid das Licht der Welt:
Eine Stadt, die auf einem Berg liegt,
kann nicht verborgen bleiben!
15Es zündet ja auch niemand eine Öllampe an
und stellt sie dann unter einen Tontopf.
Im Gegenteil: Man stellt sie auf den Lampenständer,
damit sie allen im Haus Licht gibt.
16So soll euer Licht vor den Menschen leuchten.
Sie sollen eure guten Taten sehen
und euren Vater im Himmel preisen.«
H: Mir fällt auf, dass Jesus sich weder über geschmackslose/ salzlose Speisen noch über die Dunkelheit ärgert, er schimpft gar nicht!
P: Nee, tut er tatsächlich nicht: Es ist halt so vorgegeben: Es nicht immer hell/ Tag und die meisten Speisen sind ohne Salz eher mittelmäßig lecker oder haltbar. Ist ja auch gut so: Nur Sonne, nur Tag? Das wäre anstrengend und alles salzig auch ungesund…
H: Ja, das wäre und ist unrealistisch!
Das ist vielleicht wie mit den vielen schlechten Dingen, von denen wir vorhin geredet haben. Jesus geht da anders mit um als wir. Wir klagen über alles. Aber Jesus: Der regt sich gar nicht auf. Der sagt: Ist halt so. Aber er zeigt uns: Du kannst was tun. Du kannst selber zum Licht werden für andere. Und zum Salz der Erde. Nicht gegen die Dunkelheit und die Geschmacklosigkeit ankämpfen, sondern einfach selber strahlen, dann wird die Dunkelheit schon weniger.
P: Wir verlieren nicht die Orientierung! Wir bleiben am Boden: Wir akzeptieren: Es kann nicht alles nur hell sein.
H: Es ist also nicht unsere Aufgabe, die Dunkelheit zu zerstören. Aber ein kleines Licht darin für andere, das können wir schon sein. Und da brauchen wir uns nicht zu verstecken, das wäre ja auch Quatsch.
P: Stimmt! Und Wir sind nicht Gott: Wir wissen und können nicht alles. Wir sollen uns auch nicht übernehmen, übereifern…
H: Also: Dunkelheit gehört zum Leben dazu. Vielleicht müssen wir das erst mal akzeptieren. Aber unsere Aufgabe ist dann nicht, komplett am Boden zerstört zu sein und zu jammern und zu sagen „Oh Gott, die Welt ist so böse, dunkel und schlecht!“ Jesus sagt: „Ihr seid das Licht der Welt!“ Vielleicht bin ich nur ein ganz kleines Licht, aber selbst eine kleine Kerze reicht, um einen dunklen Raum ein bisschen heller zu machen. Und ein bisschen Salz reicht, um eine Speise sehr viel besser zu machen.
P: (Das ist eine ganz andere Haltung) Und wenn ich davon ausgehe, dass Gott die Quelle des Lichts und des „guten Geschmacks“ ist und in mir ist, dann erkennt man dies an meinen Verhalten …(Spiegelt sich wider)
H: So sollte es sein … Wie man in tiefster Dunkelheit Licht aus der Ferne sieht… macht das wiederum Mut! Schafft eine neue, gelassenere Haltung, die zupackt, aber nicht aktivistisch, polemisch ist …
P: Andere freuen sich über das Licht, über das Salz – Es ist schön, zu einer Gemeinschaft zu gehören, die sich nicht überanstrengen muss, über ihre Kräfte hinaus kämpfen soll – ein Licht bricht ja schon die Dunkelheit, ein wenig Salz reicht völlig für meine Speise.
H: Also: Bodenhaltung. Das heißt: Am Boden bleiben. Nicht meinen: Ich rette die Welt ganz alleine. Aber auch nicht einfach nur am Boden bleiben und jammern. Sondern Haltung zeigen. Licht sein für andere. Salz sein für die Welt. Die Welt ein bisschen besser machen.
Amen
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